Palliative Care: Den letzten Weg muss keiner alleine gehen
Moderation/in: Schmerzen lindern, da sein, auf den letzten Schritten des Lebens nicht alleinlassen: Das leistet palliative Pflege. Wie das noch besser gelingt, wird jetzt erforscht. Die Hochschule Fulda hat jetzt die erste Professur für Palliative Care in Hessen. Was solche Begleitung ausmacht, hat Pfarrerin Lisa Maria Tumma im Hospiz erlebt. Dazu der hr1 Zuspruch.
Die Sonne scheint durch das bodentiefe Fenster. Warmes Licht im ganzen Raum. Die Wände buttergelb. Auf einem Regal Blumen, ein Familienfoto, eine bunte Girlande.
Im Hospiz Abschied nehmen: Ein Moment der Nähe
Mitten im Zimmer steht ein Pflegebett, darin liegt Eva. Ich kenne sie schon länger, auch ihren Mann Walter und ihre Kinder. Sie haben mich gebeten, noch einmal zu kommen, hier ins Hospiz. Eva ist lange krank und seit ein paar Wochen ist klar: Sie wird sterben. Deshalb betreut sie jetzt ein Palliativ-Team.
Ich sitze an ihrem Bett, sie erzählt von gestern. Da gab es Grießklößchensuppe. Die liebt sie, seit sie ein Kind war. Wir plaudern über Lieblingsessen, wie gut das der Seele tut. Dann kommt Walter rein, mit Pauli, dem Familienhund. Pauli stupst Eva an und lässt sich von ihr den Kopf kraulen. Langsam döst Eva weg.
Sterben macht Angst – warum Abschiednehmen wichtig ist
Hier bei ihr sein heißt Abschied nehmen, und das tut weh. Sterben macht Angst. Im Alltag scheuen viele das Thema. Dabei trifft es jeden einmal.
Also lohnt der Blick: Wie geht würdevolles Sterben? Dazu wird jetzt geforscht. Die Hochschule Fulda hat seit diesem Semester die erste Professur für Palliative Care in Hessen.
Palliative Care: Lebensqualität bis zuletzt ermöglichen
Palliative Care ist mehr als pflegen und Medizin. Eva und ihre Familie erleben das im Hospiz, zu anderen kommen mobile Teams nach Hause. Ärztinnen und Pfleger lindern Schmerzen, helfen beim Atmen und Essen. Therapeuten hören zu. Seelsorgerinnen schaffen Raum für das, was im Leben wichtig war: Herzenswünsche, Erinnerungen. Aber auch für Angst und Ungesagtes.
„Meine Zeit steht in deiner Hand“: Niemand muss allein sterben
Ich glaube, Eva spürt das. Und Walter auch. Er sitzt neben mir an Evas Bett, hält ihre Hand, weint und lächelt und sagt: „Ein ganzes Leben mit ihr. Was für ein Segen.“ Später beten wir zusammen mit alten Worten: Meine Zeit steht in deiner Hand, Gott. (Ps 31,16) Eva atmet ruhig. Diesen Weg muss keiner allein gehen.