hr1 ZUSPRUCH
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Zschörnig, Jan Michel

Eine Sendung von
Jan Michel Zschörnig,
Evangelischer Pfarrer, Kassel

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Orangen neu entdeckt

Bei mir zuhause liegen sie oft ewig herum. Manchmal bis ins Frühjahr. Dabei gehören sie irgendwie zu Weihnachten. Zu diesem Obstteller bei meiner Oma früher im Wohnzimmer. Zwischen Nüssen, Marzipan und Schokokugeln lagen neben Mandarinen immer auch Orangen. Und ehrlich gesagt: Ich habe fast nie zu ihnen gegriffen. Meistens wurden sie irgendwann schrumpelig und lagen noch Wochen später in der Schale.

Mallorca im Frühling: Warum Orangen plötzlich anders wirken

Aber dann war ich auf Mallorca. Und plötzlich hingen sie dort überall mitten im Frühling. Leuchtend orange zwischen dunkelgrünen Blättern. Fast wie kleine Lampions in den Bäumen. Dahinter das strahlendblaue Meer, helle Hauswände und die Berge.

Wie neue Orte unseren Blick verändern können

Ich weiß nicht genau, woran es lag. Vielleicht an der Sonne und meinem Urlaub. Aber auf einmal habe ich Orangen ganz anders gesehen. Nicht mehr als diese verschrumpelten Früchte des Weihnachtstellers, sondern als Teil dieser Landschaft und dieser Wärme.

Frisch gepresster Orangensaft und kleine Glücksmomente im Alltag

Morgens standen sie frisch gepresst auf dem Frühstückstisch. Und in der Stadt habe ich mich jedes Mal gefreut, wenn ich wieder irgendwo einen Orangenbaum entdeckt habe. Irgendwann habe ich gemerkt: Diese kleinen orangenen Farbtupfer machen etwas mit mir. Sie verändern meinen Blick auf diese Frucht, lassen mich stauen und dankbar sein.

„Schmecket und sehet“: Wie Sinneseindrücke unseren Glauben stärken

 „Schmecket und sehet, wie freundlich Gott ist.“ Dieser Satz aus einem Gebet in der Bibel ist für mich nun anschaulich geworden. Ich denke nicht mehr an den Weihnachtsteller bei meiner Oma, wenn ich Orangen sehe. Sondern an die Schönheit Mallorcas, das Gefühl von Sonne auf der Haut. Denke an das Meer und das warme Licht vom Morgen. Und daran, wie schön diese Welt sein kann.