hr1 ZUSPRUCH
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Kitz, Verena Maria

Eine Sendung von
Verena Maria Kitz,
Katholische Pastoralreferentin in St. Michael, Zentrum für Trauerseelsorge, Frankfurt

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Zwei Frauen lachen sich an.

Hab Mut, sag Gutes!

Neulich beim Einkaufen hab ich gestaunt, wie toll eine Frau beim Streit an der Kasse reagiert hat – ganz freundlich und friedlich ist sie geblieben. Ich hab spontan zu ihr gesagt: Ich finde, Sie haben das großartig gemacht! 

Früher hätte ich mich das nicht getraut und manche finden das vielleicht auch heute komisch. Aber warum nicht? Ich habe den Mut dazu allerdings auch erst lernen müssen. Manchmal habe ich den Eindruck, es ist einfacher, irgendwo zu meckern, als sich gegenseitig etwas Gutes zu sagen. 

“Affindamento”

Wo ich diesen Mut dazu gelernt habe? Vor einigen Jahren haben wir das in einer Frauenrunde bei einer Tagung ausprobiert. Italienische Philosophinnen haben eine ganze Philosophie dazu entwickelt, Affidamento, Anvertrauen, heißt sie: Frauen lernen dabei, einander zu vertrauen. 

Statt zu konkurrieren oder sich zu kritisieren, sprechen sie aus, was sie Gutes aneinander wahrnehmen oder sich zum Vorbild nehmen möchten - und so entwickeln sie sich weiter.  

Erst Überwindung, dann Stärkung

Ich fand es auch erst mal ungewöhnlich, auszusprechen, was mir Gutes auffällt an einer anderen Frau. Es hat mich auch ein bisschen Überwindung gekostet. Aber wir haben bei dieser Tagung schnell die Wirkung gespürt: Wie gut das tut und bestärkt, wenn mir jemand etwas Gutes sagt und auch umgekehrt. 

Es geht nicht darum, zu schmeicheln oder falsche Komplimente zu machen. Sondern darum wahrzunehmen, was jemand ausmacht. Und jeder Mensch hat oder kann etwas Besonderes, Männer natürlich genauso wie Frauen. 

Und wenn ich das auf gute, passende Weise ausspreche, tut das beiden gut und lässt sie wachsen. Für mich ist das wie eine menschliche Variante von Gottes Segen. Der bestärkt auch und spricht mir Gutes zu. 

Mehr Mut einander Gutes zu sagen

Die Dame beim Streit an der Kasse war auch erst mal ein bisschen erstaunt, als ich sie angesprochen habe, und dann hat sie sich gefreut. Und seitdem haben wir eine freundliche Verbindung, auch ganz ohne Worte. 

Ich finde, von dieser Ermutigung für ein gutes Miteinander können wir alle mehr brauchen: Diesen Mut, einander Gutes zu sagen.