hr1 ZUSPRUCH
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Lemmer, André

Eine Sendung von
André Lemmer,
Katholischer Dechant in der Pfarrei Sankt Elisabeth in Kassel

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Fußball und Gott

Gerade jetzt, während der Weltmeisterschaft, sieht man es wieder: Menschen sitzen gemeinsam vor Bildschirmen, jubeln über ein Tor, leiden mit ihrer Mannschaft und hoffen bis zum Schlusspfiff. Für neunzig Minuten vergessen viele den Alltag. Da wird umarmt, gesungen und gelacht – manchmal sogar mit Menschen, die man vorher gar nicht kannte.

Warum uns gemeinsame Begeisterung so guttut

Mich fasziniert diese Begeisterung. Sie zeigt, wie sehr wir Menschen uns nach etwas sehnen, das größer ist als wir selbst: nach Gemeinschaft, nach Hoffnung, nach einem Grund zur Freude. Dabei frage ich mich manchmal: Warum fällt es uns so leicht, unsere Freude über ein Tor zu zeigen – und so schwer, über unsere Freude im Glauben zu sprechen?

Warum wir über Glauben oft schweigen

Vielleicht liegt es daran, dass Glaube oft als etwas Privates gilt. Etwas, das man lieber für sich behält. Dabei erzählt die Bibel von einer ganz anderen Erfahrung. Immer dann, wenn Menschen Gott begegnen, bleibt diese Freude nicht verborgen. Sie strahlt aus. Nicht laut oder aufdringlich, sondern ansteckend.

Ich denke an die Jünger Jesu. Sie haben erlebt, dass Gott Menschen aufrichtet, ihnen neue Hoffnung schenkt und ihrem Leben eine Richtung gibt. Diese Erfahrung konnten sie nicht für sich behalten. Sie erzählten davon – nicht, weil sie andere überzeugen wollten, sondern weil ihr Herz davon voll war.

Wenn Glaube nach außen strahlt

Vielleicht braucht unser Glaube genau diese ungekünstelte Freude. Keine perfekten Antworten auf alle Fragen. Kein lautes Auftreten. Sondern Menschen, denen man anmerkt: Dieser Glaube trägt. Er schenkt Hoffnung, wenn das Leben schwierig wird. Er gibt Kraft, wieder aufzustehen. Und er erinnert immer daran, dass wir niemals allein sind.

Echter Glaube wirkt ansteckend

Die Weltmeisterschaft wird in zehn Tagen zu Ende sein. Der Pokal wird vergeben, der letzte Jubel verhallt. Aber die Freude, die Gott schenkt, ist nicht an einen Spielstand gebunden. Sie bleibt. Mitten im Alltag. Und vielleicht ist genau das die schönste Botschaft: Es gibt einen Grund zur Hoffnung, der keinen Schlusspfiff kennt.