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Wittich-Jung, Kathrin

Eine Sendung von

Evangelische Pfarrerin im Kirchspiel Istha-Altenhasungen I

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Mehrere Einsatzjacken sind auf einem Kleiderständer hängen. Die Jacken sind in lila und gelb gehalten und tragen das Emblem der Notfallseelsorge. Die reflektierenden Streifen an den Jacken sind gut sichtbar, was auf ihre Funktion im Einsatz hinweist.

Einsatzbereit

Es gibt Wochen, da habe ich das Diensthandy ständig bei mir, egal ob ich in einer Sitzung oder in einem Gespräch bin. Falls es klingelt, muss ich sofort los, denn ich habe eine Notfallseelsorge-Woche. Da muss ich jeden Moment erreichbar und einsatzbereit sein. 

Was bedeutet Notfallseelsorge eigentlich?

Diese Aufgabe gehört zu meinem Beruf als Pfarrerin. In meiner Region heißt es Notfallseelsorge. In anderen Regionen heißt es „Krisen-Interventions-Dienst“. Manchmal übernehmen Pfarrer und Pfarrerinnen diese Aufgabe und manchmal sind es Ehrenamtliche, die eine besondere Ausbildung durchlaufen haben. Als Notfallseelsorger gehören wir dann am Einsatzort zum Team der anderen Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst.

Wenn das Telefon klingelt: Einsatz

Wenn das Telefon also klingelt und die Leitstelle der Feuerwehr dran ist, heißt das für mich: Einsatz. Es kann sein, dass ich zu einem Unfall gerufen werde. Oder zu einem Menschen, der in einer akuten Krise steckt, weil ein ihm lieber Mensch gestorben ist. Ist er nicht zuhause verstorben, muss ich mit der Polizei den Angehörigen die schreckliche Nachricht überbringen.

Halt geben in Ausnahmesituationen

Für die Menschen, zu denen ich dann gerufen werden, ist das immer eine Ausnahmesituation. Ich begleite sie dann in dem Schock und dem ganzen Chaos. 
Ich bin ganz nah dran. Höre zu. Halte aus. Schweige. Bete. Und habe Zeit. Ich bleibe, bis Freunde, Nachbarn oder Familienangehörige da sind und sich weiter kümmern.

Warum ist mir dieser Dienst so wichtig?

Notfallseelsorge ist mir wichtig, weil ich für andere da sein kann und mit ihnen ihren Schmerz aushalten kann. Dadurch bekommen die Menschen einen ersten Halt und vielleicht auch erste Stabilität.
Nach dieser Woche atme ich wieder freier und bin ruhig.  Und doch nehme ich die Begegnungen mit. Sie erinnern mich daran, wie zerbrechlich Leben ist – und wie kostbar Nähe.
Vielleicht ist das der Kern dieses Dienstes: da zu sein, wenn alles wankt- und Halt geben, bis Menschen wieder Boden unter den Füßen spüren.