Einander ein Dorf sein
„Wärst du bereit, ein Teil von unserem Dorf zu sein?“ Das hat mich neulich Leonie gefragt. Sie bekommt bald ein Baby. Und gemeint war deshalb kein Wohnort. Die Frage spielt an auf ein Sprichwort: „Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen.“
Warum Familien ein Netzwerk brauchen
Das Sprichwort meint: jede kleine Familie braucht ein Netzwerk um sich herum von unterstützenden Menschen. Also mehr als nur Familienmitglieder. Alte und junge Menschen, egal ob verwandt oder nicht. Die Idee finden viele gut.
Gemeinschaft toll finden oder selbst etwas geben?
Allerdings: Eine helfende Gemeinschaft toll zu finden, ist das eine. Zu erkennen, dass ich etwas geben kann, ist das andere. Bin ich bereit, selbst etwas beizutragen, also: Teil des „Dorfs“ zu sein?
Spielplatz und Auto leihen: Was ich anbieten kann, ohne mich zu überfordern
Das sind Sachen wie: An meinem freien Tag mit dem Kind auf den Spielplatz gehen. Aber wie oft im Monat? Oder: Mein Auto verleihen für die Fahrt zum Kinderarzt.
Ich überlege: Was kann ich anbieten, ohne mich zu überfordern?
Geben tut auch selbst gut
Einander ein Dorf sein heißt aber nicht nur: Ich übernehme einen Teil der Verantwortung für dieses Kind. Sondern: Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Ich selbst bekomme ja auch etwas: Zeit an der frischen Luft. Die gönne ich mir selbst oft nicht. Und ein Spaziergang mit einem Kinderwagen schafft auch mir einen Moment der Ruhe in der Natur. Ich suche extra eine schöne Strecke aus.
Nur für einen Moment “Dorf sein”
Und manchmal braucht es für das Dorf nicht einmal eine Verabredung. Das habe ich vor kurzem im Zug erlebt: Eine Mutter mit kleinem Kind fand keinen Platz mehr im Familienabteil. Also: Großraumwagen. Der war auch voll. Sogar die Gänge. Ich hatte erwartet, dass die Mitreisenden sich genervt Kopfhörer aufsetzen und betont wegschauen. Aber nein: Die Leute machten Platz für die beiden und ihr Gepäck. Das Kind konnte sich bewegen und die Reise ging entspannt weiter. Für den Moment waren wir da gemeinsam das Dorf.
So eine Hilfe wünsche ich mir auch von meinem Dorf, wenn ich es brauche.