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Tumma, Lisa Maria

Eine Sendung von
Lisa Maria Tumma,
Evangelische Pfarrerin, Rundfunkbeauftragte für den Hessischen Rundfunk

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Eine Frau mit aufwendig geschminktem Gesicht, das einem Totenkopf ähnelt, trägt einen Haarreif mit orangefarbenen Blumen. Sie blickt zur Seite, während farbenfrohe Dekorationen im Hintergrund erkennbar sind. Die Szene vermittelt eine festliche Atmosphäre.

Ein Fest für die Toten

Wie eine Krone trägt die Frau den bunten Blumenkranz auf ihrem Kopf. Ihr Gesicht ist stark geschminkt. Es erinnert an einen Totenschädel. Ihr Rock fliegt, wenn sie tanzt. Und das macht sie heute oft. 

Día de los Muertos: Ein Fest zu Ehren der Verstorbenen

Denn heute ist in Mexiko Día de los muertos, der Tag der Toten. Die Straßen sind voller Menschen, alles bunt geschmückt mit Lampions, Blumenketten und kleinen Skeletten aus Pappmaché. Die Menschen tanzen, essen, feiern - ein Volksfest zu Ehren der Verstorbenen. 

Die aztekischen Wurzeln des Día de los Muertos

Die Ursprünge sind uralt. Schon die Azteken haben sich vorgestellt: Einmal im Jahr kommen die Toten zurück und feiern mit den Lebenden - ein fröhliches Wiedersehen. Später kamen christliche Vorstellungen dazu: Jetzt, im November, denken Christinnen und Christen weltweit an ihre Verstorbenen, besuchen den Friedhof, zünden Kerzen an. 

Trauer und Erinnerung in Mexiko und Deutschland

Auch in Mexiko. Aber anders als bei uns: Dort wird zwischen den Gräbern gefeiert. 

Mir ist diese Tradition fremd. Trauer ist bei uns meistens stiller, weniger bunt. Trotzdem fasziniert mich diese Art zu erinnern.

Ein Fest für Verstorbene in einer Berliner Kirche

Damit bin ich nicht allein. In Berlin hatten Pfarrerinnen eine ähnliche Idee: Sie wollten ein Fest feiern zur Erinnerung an Verstorbene.1  Nicht auf dem Friedhof, aber in einer Kirche. 

Erinnerungen an Verstorbene an einer festlichen Tafel

Die Gäste sitzen an einer festlich gedeckten Tafel mitten im Kirchenraum. Getränke stehen bereit, Essen bringen sie selbst mit: Würstchen und Kartoffelsalat. „Das war Rainers Lieblingsessen“, sagt seine Schwester. Pflaumenknödel – nach Oma Rosemaries Rezept. Sofort kommen die Menschen ins Gespräch. Sie erzählen von ihren Verstorbenen. Sie erinnern sich – liebevoll, dankbar. Für einen Moment wirkt es fast so, als wären ihre Liebsten da. 

Die Verbindung zu den Verstorbenen bleibt

Das ist kein Volksfest nach mexikanischem Vorbild. Aber der Gedanke ist derselbe: Die Toten sind nicht einfach weg. Ich glaube fest: Ich hier bin bei Gott geborgen – und die Toten sind es auch. Deshalb reißt die Verbindung nicht ab.  

Gedenken kann viele Formen haben

An sie erinnern, trauern, gedenken – das geht auf vielfältige Weise. An festlichen Tafeln, beim ausgelassenen Tanzen, auch mit einer Kerze am Grab. Wo auch immer ich spüre: wir bleiben verbunden.  

 

1 E. Handke: Fest der Toten. Lebendig Menschen erinnern, in: E. Handke, M. Barnahl: Dein Leben, dein Moment. Rituale neu entdecken und individuell gestalten, München 2023, S. 199ff.