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Clausing, Mareike

Eine Sendung von
Mareike Clausing,
Evangelische Pfarrerin, Christus-Gemeinde Dietzenbach

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17. Juni 1953 - Vom Mut aufzustehen

17. Juni 1953 - Vom Mut aufzustehen

Das Foto von den sowjetischen Panzern am 17.6.1953 konnten wir aus Rechtegründen nur sechs Wochen nach der Sendung zeigen. Sie sehen nun ein neutrales Bild.

Manchmal reicht ein einzelner Mensch, der den Mund aufmacht. Und plötzlich merken andere: Ich bin nicht allein mit dem, was ich denke. Dann trauen sich Menschen, gemeinsam für eine Sache laut zu werden. Auch wenn solche Geschichten nicht immer gut ausgehen, bleiben sie wichtig.

1953: Volksaufstand in der DDR – Wenn Mut Kreise zieht

So eine Geschichte ist auch der Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953. Damals protestierten Arbeiter zuerst gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Viele waren erschöpft und frustriert. Sie sollten immer mehr leisten und hatten gleichzeitig immer weniger das Gefühl, mitbestimmen zu dürfen. Aus diesem Protest wurde schnell mehr.

Freiheit, Mitbestimmung & Gerechtigkeit: Der Wunsch der Protestierenden

Viele Menschen wollten frei leben, mitreden und gerecht behandelt werden. Mich berührt das bis heute. Auch, weil mein Vater unter der Politik dieses Einparteienstaats gelitten hat. Vor allem aber, weil darin so viel Mut steckt. Menschen standen auf, obwohl sie wussten, dass es gefährlich werden konnte.

Mut trotz Gefahr: Aufstand gegen sowjetische Panzer 1953

Der Aufstand wurde brutal niedergeschlagen. Die sowjetische Besatzungsmacht rückte mit Panzern an. Menschen wurden verhaftet, verletzt, manche sogar getötet. Bis 1990 war der 17. Juni arbeitsfreier Feiertag. Bis heute erinnert er an die Opfer und an die Sehnsucht nach Freiheit und Würde.

17. Juni 1953: Wo stehe ich auf gegen Ungerechtigkeit heute?

Diese Sehnsucht spüre ich auch jetzt an vielen Orten der Welt. Und ich frage mich: Wo stehe ich auf gegen Ungerechtigkeit? Wo widerspreche ich, wenn Menschen ausgegrenzt oder schlechtgemacht werden? Und wo schweige ich, weil es bequemer ist?

Mut im Alltag: Widersprechen bei Ausgrenzung – Selig sind die nach Gerechtigkeit dürstenden

Mut braucht es nicht nur auf großen politischen Bühnen. Mut braucht es auch im Alltag. Das kann heißen: widersprechen, nicht mitlachen, die Stimme erheben für Menschen und ihre Rechte. In der Bibel sagt Jesus: „Selig sind, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit" (Matthäus 5,6). Ich mag diesen Satz. Denn der Wunsch nach Gerechtigkeit gehört mitten ins Leben.