Wenn Feinde langsam Freunde werden
Heute vor 150 Jahren wurde Konrad Adenauer geboren. Er war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste bundesdeutsche Kanzler. Als er 1967 gestorben ist, war ich noch ein Baby. Aber ich hab in der Schule und auch später viel über ihn erfahren: von seinen großen Verdiensten. Etwa beim Wiederaufbau. Aber auch von Entscheidungen, die heftig kritisiert wurden. Und die auch ich aus heutiger Perspektive problematisch seh. Etwa wenn es um die konsequente Aufarbeitung der Nazizeit geht.
Der mutige Besuch von Konrad Adenauer bei Charles de Gaulle
Ich möchte heute an einen besonderen „Adenauer-Moment“ denken. Ihn verbinde ich sehr dankbar mit dieser facettenreichen Persönlichkeit. Dieser Moment hängt mit einem Film zusammen. Er hat mich vor kurzem sehr beeindruckt. Der Film heißt „An einem Tag im September“. Und erzählt von einer realen Begegnung: 1958 hat Adenauer den damaligen französischen Ministerpräsidenten Charles de Gaulle besucht. Nicht hochoffiziell in Paris. Sondern quasi privat: auf dessen Landsitz in der Provinz. Der Besuch galt als sehr mutig. Und gilt heute als Grundstein zur Überwindung der Feindschaft zwischen Frankreich und Deutschland.
Den Staatsmännern fiel die Initiative nicht leicht
Das hab ich beim Zuschauen gut nachvollziehen können: Eindringlich schildert der Film die damalige frostige Atmosphäre zwischen den Ländern. Der Krieg war ja erst dreizehn Jahre her. Die Köchin weigert sich zum Beispiel, für einen Deutschen zu kochen. Das wirkt erst mal etwas zickig. Irgendwann sagt sie, warum. Und alles erscheint in ganz anderem Licht: Sie wurde von der Wehrmacht gefoltert. Auch den Staatsmännern fällt ihre Initiative alles andere als leicht. Ihre Anspannung liegt beim Essen erst wie Blei über der Szene. Bis das Gespräch persönlich wird. Sich beide über Schicksalsschläge austauschen. Und so Vertrauen entsteht.
Der Start in die deutsch-französische Freundschaft
Der Besuch hat viel Positives angestoßen: Es gab Freundschaftsverträge auf höchster Ebene. Das prägt längst den deutsch-französischen Alltag. Mir geht es da wie so vielen anderen: Ich fahr gerne nach Frankreich. Fühl mich dort immer willkommen. Und bin sehr froh darüber, dass aus Feinden Freunde wurden.
Völkerfreundschaft lebt von Toleranz und Verständigung
Aber ich weiß: Völkerfreundschaft ist nicht selbstverständlich: Ich will mich daher möglichst oft ganz praktisch für Toleranz und Verständigung einsetzen. Menschen aus anderen Ländern unterstützen, damit sie sich hier zurecht finden. Oder bei fremdenfeindlichen Sprüchen Kontra geben. Das ist sicher im Sinne dieses ganz besonderen Besuchs vor vielen Jahren in der französischen Provinz.