Das Wichtige im Blick haben
Die Serie „Yes Minister“ ist für mich ein Fernsehklassiker: Die bissige Satire aus den 80er Jahren schau ich immer wieder gerne. Denn obwohl sie in London und in der „hohen Politik“ spielt, denk ich oft: Das kenn ich auch aus meinem Alltag.
Das bremst seinen Eifer nicht
Hauptfigur Jim Hacker ist neu in der Regierung. Beim Postengerangel bekommt er daher nur den Trostpreis: Er wird „Minister für Verwaltungsangelegenheiten“. Das bremst seinen Eifer nicht: Er startet einen Feldzug zum Bürokratieabbau, um sinnlosen Aufwand zu bekämpfen. Am Anfang einer besonders skurrilen Episode erfährt er: In London gibt es ein Krankenhaus ohne Patienten. Hacker ist empört. Und bricht zu einem Ortstermin auf. Dort staunt er: Es erwartet ihn kein Haufen Faulenzer. Im Gegenteil: Im Verwaltungstrakt herrscht Hochbetrieb. Hacker findet das angesichts der leeren Betten absurd. Und fordert, dass Patienten aufgenommen werden. Bei der Klinikleiterin beißt er auf Granit. Sie meint: Patienten würden nur den Betrieb stören. Die rund 500 Verwaltungskräfte hätten auch so schon alle Hände voll zu tun.
Dieser Einsatz lohnt sich nicht
Wenn ich an die Szene denke, muss ich schmunzeln. Das liegt sicher daran, dass ich mich in der Klinikleiterin wiedererkenne. Und letztlich über mich den Kopf schüttle: Denn ich betreibe zwar nicht in so einem großen Stil Aktionismus. Aber ich investiere auch viel Zeit und Arbeit in Dinge, die so einen Einsatz gar nicht lohnen.
Ich rase zu Terminen, die eigentlich nicht so wichtig sind. Oder betreibe bei einer bloß nett gedachten Freizeitaktion viel zu viel Aufwand. Oft steckt Perfektionismus dahinter. Die Angst, andere vor den Kopf zu stoßen, wenn ich einen Gang zurückschalte. Dabei kann man einfach nicht alle Dinge mit mindestens 100 Prozent Einsatz machen. Egal ob im Beruf oder in der Freizeit.
Ist das wirklich so wichtig?
Zum Glück merk ich immer wieder: Gegen sinnlosen Stress hilft kurzes Innehalten. Nach dem Motto: „Was tu ich denn da gerade - ist das wirklich so wichtig?“ Deswegen will ich mir noch öfter mal mit Blick auf „Yes Minister“ die Frage stellen: Versuche ich gerade wieder, quasi ein Krankenhaus ohne Patienten zu betreiben? Denn ich hab gemerkt: Mit Humor und Selbstkritik kann ich selbstgemachten Stress wirklich besser erkennen. Um das eigentlich Wichtige im Blick zu haben.