Pfingsten live aus Frankfurt-Sachsenhausen
Katholischer Feiertagsgottesdienst am Pfingstmontag, 25. Mai 2026, 10.05 - 11.00 Uhr, aus der Pfarrkirche St. Bonifatius in Frankfurt am Main live in hr4 und DLF
Den Gottesdienst im Livestream und zum Nachhören finden Sie auch unter www.hr4.de.
Nach dem Gottesdienst können Sie mit Pfarrer Dr. Werner Otto und Pastoralreferentin Dorothea Schneider sprechen: Sie sind bis 12.30 Uhr telefonisch erreichbar unter der Nummer 069 / 695 9758 50.
Zelebrant + Prediger: Pfarrer Dr. Werner Otto
Begrüßung + Überleitungen: Ann-Kristin Schäfer, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats
Lesung + Fürbitten: Jutta Nieswand + Dorothea Schneider
Chor: Projektchor St. Bonifatius
Chorleitung: Alexandra Gockel-Bok, Adelheid Müller-Horrig und Christoph Kuhn
Orgel + Kantor: Christoph Kuhn
Posaune: Mathis Tietjen
Kirchliche Redaktion: Beate Hirt, Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr
Musik:
Lied zur Eröffnung: GL 351, „Komm Schöpfergeist, kehr bei uns ein“, Str. 1 + 4
Kyrie: GL 156
Gloria: GL 172 (EG 180,2)
Ruf vor und nach dem Evangelium / Halleluja: GL 175,2 mit Vers
Fürbitten mit gesungenem Ruf: GL 632,1 „Erhöre uns, Herr“
Musik zur Gabenbereitung: GL 346, „Atme in uns, Heiliger Geist“
Sanctus: GL 199, „Heilig ist Gott in Herrlichkeit“
Hochgebet mit gesungenem Ruf: GL 736, „Wir preisen deinen Tod“
Agnus Dei: GL 208, „Christe, du Lamm Gottes“
Musik zur Kommunionausteilung: Maurice Duruflé „Ubi caritas et amor“
Danklied: GL 325,1-3 „Bleibe bei uns, du Wandrer“
Schlusslied: GL 347, „Der Geist des Herrn“
Predigt:
Liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Geschwister im Glauben,
bestimmte Debatten, die öffentlich ausgetragen werden, bringen mich innerlich auf die Palme. Das passiert bei politischen Themen, aber auch bei manchen kirchlichen Diskussionen. In der katholischen Kirche in Deutschland wird gerade zum Beispiel wieder heftig gestritten, ob man gleichgeschlechtliche Paare oder Paare in zweiter Ehe segnen darf oder nicht. Ich meine: Wo Menschen einander aufrichtig lieben, ist Gott gegenwärtig. Da dürfen wir den Segen nicht verweigern! Alles andere finde ich schwer erträglich.
Genau für solche Konfliktsituationen unter Christen hält der Epheserbrief, den wir eben gehört haben, eine Mahnung bereit: „Ertragt einander in Liebe.“ Ich soll also liebevoll aushalten, was ich gar nicht aushalten möchte? Rein gefühlsmäßig wäre mir ein Gesprächsabbruch manchmal lieber. Denn ich habe starke Zweifel, ob zwischen manchen eher traditionell ausgerichteten Positionen und meinen eine Annäherung wirklich möglich ist. Die Aufforderung, den anderen in Liebe zu ertragen, erscheint mir da als echte Herausforderung.
Und dann geht es im Epheserbrief ganz ähnlich weiter: „Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren.“ Hier schlägt sich schon im ersten Wort nieder, dass es um einen echten Kraftakt geht. Im „Bemühen“ steckt Mühsal drin. Dahinter verbergen sich offenbar konkrete Erfahrungen, die der Briefschreiber gemacht hat. In der Gemeinde von Ephesus gab es wohl massive Konflikte: Einzelne haben ihre Interessen machtvoll vertreten. Andere waren nicht bereit, sich zurückzunehmen. Kurz gesagt, es hat gewaltig gebrodelt.
In dieser Situation vertritt der Epheserbrief eine sehr klare Position: „Seid demütig, friedfertig und geduldig.“
Mit anderen Worten: Spaltung ist keine Option! Ihr müsst es irgendwie hinbekommen, beieinander zu bleiben! Das ist nicht nur ein moralischer Appell, sondern gründet in einer tiefen Glaubensüberzeugung. Zur Gemeinschaft gibt es deshalb keine Alternative, weil alle, die an Christus glauben, ein Leib sind. Mit Jesus selbst als Haupt. Durch die Taufe und den gemeinsamen christlichen Glauben entsteht eine Verbindung, die genauso stark ist wie die Verbindung der Glieder in einem Körper. Das ist ein starkes Gegenbild gegen die Versuchung, Andersdenkende zu bekämpfen oder zu isolieren.
Im heutigen Evangelium verheißt Jesus gegen alle Erfahrung von Spaltung und Verfolgung den Geist der Wahrheit. Er gibt das pfingstliche Versprechen, das auch den Ermahnungen des Epheserbriefs zugrunde liegt. In der Zusammenschau ist die Botschaft der beiden Texte: Vergesst nie das Geschenk, das Christus euch in der Taufe gemacht hat! Jeder einzelne von euch gehört nun unlösbar zu ihm. Als Christen seid ihr verbunden durch das mächtigste Band, das es gibt – den Heiligen Geist. Also: Zeigt das auch! Werdet dem gerecht. Ihr dürft nach Kräften für eure Überzeugungen streiten. Aber streitet so, dass ihr fair bleibt, dass ihr damit rechnet, dass auch ihr falsch liegen könntet. Vor allem müsst ihr dem anderen abnehmen, dass auch er aus dem Glauben an Christus handelt. Dann ist der Streit keine Spaltung, sondern ein Ringen um die Wahrheit.
Liebe Geschwister: Für mich ist das immer wieder neu Ansporn für mein Verhältnis zu meinen Mitmenschen. Ich werde mich auch weiter einsetzen für eine Kirche der Vielfalt; eine Kirche, die Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenswürfen willkommen heißt und ihnen Gottes Segen zuspricht. Aber gerade dann muss ich mir den Appell des Epheserbriefs zu Herzen nehmen. Vielfalt bedeutet eben auch, dass es Menschen gibt, die anders denken als ich. Gott sei Dank!
Für schwer auszuhaltende Konflikte und schwer zu ertragende Mitchristen gibt es also vom Evangelium her eine klare Anweisung: Seht im anderen nicht den Meinungsgegner, sondern einen, der euch im Geist Jesu verbunden ist. Einen, der sich ebenso wie ihr aufrichtig bemüht, aus diesem Geist heraus zu handeln. Und einen, der genauso fehlbar ist wie ihr. Das ist schon eine erste Brücke über den Graben der unterschiedlichen Positionen. Wenn ihr dann noch auf die Worte des Epheserbriefes achtet, dass die Vielfalt gottgewollt ist, ein Geschenk – dann wird es euch leichter fallen, den anderen anzulächeln und ihm die Hand zu reichen. Ihr werdet dann vielleicht weiterhin nicht zu einheitlichen Positionen finden. Aber ihr könnt miteinander reden, miteinander beten, vielleicht sogar miteinander über euch selbst lachen.
Dann wird in der Vielfalt plötzlich Einheit erkennbar. Dann ist Pfingsten.