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Dünnhäutig kurz vor Heiligabend
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Dünnhäutig kurz vor Heiligabend

Martin Vorländer
Ein Beitrag von Martin Vorländer, Evangelischer Pfarrer und Rundfunkbeauftragter für den hr, Frankfurt
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Dünnhäutig. So müssen sich Maria und Josef gefühlt haben kurz vor Heiligabend, von dem sie nicht ahnten, dass es der Heilige Abend werden würde.

Es war zuviel in diesem Jahr

Es sah nicht danach aus. Es ist einfach alles zu viel gewesen in diesem Jahr. Maria und Josef sind noch nicht lange ein Paar. Da wird Maria schwanger. Die Leute tratschen, das Kind sei gar nicht von Josef. Dazu kommt die Sache mit dem Engel, der Maria gesagt hat: Das Kind, das du erwartest, ist von Gott, Sohn des Höchsten. Ist das wahr oder nur Einbildung? Wie auch immer, das ist neun Monate her, die Geburt steht kurz bevor. Die Kräfte sind am Ende. Die Nerven liegen blank.

Geschiebe und Gedränge, Streit und Tränen

Maria ist nicht in Ruhe zu Hause. Die beiden sind unterwegs. Für eine Volkszählung müssen sie nach Bethlehem. Die Stadt ist voll. Geschiebe und Gedränge, mittendrin die hochschwangere Maria. Jetzt bloß kein falsches Wort, sonst gibt es Streit und Tränen. Und dann auch das noch: Kein Platz in der Herberge! Die beiden landen in einem Viehstall zwischen Ochs und Esel. Schöne Bescherung! Hier bekommt Maria ihr erstes Kind. Eine Wiege gibt es nicht. Sie legt es in den Futtertrog. Es könnte zum Heulen sein.

Der Himmel zieht ein

Ich staune jedes Jahr neu darüber, wie sich diese Situation verwandelt. Der Himmel zieht in den Viehstall ein. Hirten kommen. Sie haben gehört: Euch ist heute der Heiland geboren! Da liegt er, das Kind in der Krippe. Der Retter der Welt im Futtertrog. Äußerlich hat sich nichts verändert. Futtertrog bleibt Futtertrog. Der Stall ein Stall. Maria und Josef wissen nicht, wie es weitergehen soll mit ihnen und ihrem Kind. Und doch ist hier und jetzt alles in Ordnung. Eine tiefe Verbundenheit zwischen den Menschen und den Tieren an der Krippe. Über allem der Gesang der Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.

Verletzlich und gefährdet - und doch wird Weihnachten

Wir sind kurz vor Heiligabend. Ob es ein Heiliger Abend wird? Um mich herum sind viele momentan dünnhäutig, mal gereizt, mal nah am Wasser gebaut. Ich auch. Mich rührt es, wie die Bibel vom ersten Heiligen Abend erzählt, von der Geburt Jesu. Genau da, wo das Leben gefährdet ist, wo wir besonders empfindsam und verletzlich sind, und genau da zieht der Himmel ein.

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