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Nie vergessen: Den Frieden!
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Nie vergessen: Den Frieden!

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Stellvertretender Pressesprecher des katholischen Bistums Mainz
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Mein Großvater ist ein sehr beherrschter Mann gewesen. Er hat nicht oft Einblicke in sein Gefühlsleben gegeben. Oft hatte ich den Eindruck, er war wie von einem Panzer umgeben. Nur ganz selten ist mal etwas von seinen Gefühlen nach außen gedrungen. Und das war meistens dann, wenn er vom Krieg erzählt hat. Dann konnte ich etwas davon spüren, was er als junger Mann erleben musste. Gerade mal zwanzig Jahr ist er alt gewesen, da wurde er in die Wehrmacht eingezogen – 1943 muss es gewesen sein, kurz nach seinem Abitur. Ich weiß, er wurde in Lüneburg ausgebildet. Er ist in Russland an der Ostfront gewesen. Und am Ende des Krieges wurde er in Norditalien gefangenen genommen.

Er ist dann wieder Lüneburg gekommen, denn dort hatte er meine Oma kennengelernt. Es war damals der einzige Ort, wohin er gehen konnte. Denn seine Heimat hatte er verloren: Mein Opa kam aus dem tschechischen Brünn, und als Sudetendeutscher konnte er dorthin nicht zurück. Geblieben sind ihm von seiner Heimat nur ein paar Schwarz-Weiß-Fotografien. Über alles das: den Krieg, Tod und Sterben, den Verlust von Freunden und der Heimat hat er nicht oft gesprochen. Er hatte diese Erlebnisse in seinem Inneren verkapselt. Wahrscheinlich, damit er irgendwie weiterleben konnte. Vielen ging das damals so: Sie hatten Schlimmes erlebt, aber jetzt wollten sie es hinter sich lassen und neu anfangen.

Heute muss ich besonders an meinem Opa denken, heute am 8. Mai. An dem Tag, an dem vor 74 Jahren der Zweite Weltkrieg zu Ende ging. Mein Großvater lebt nicht mehr. Aber ich denke an ein Gespräch, das wir an seinem 90. Geburtstag geführt haben. Eigentlich, so hat er mir gesagt, habe er nur einen Wunsch. Dass seine Kinder, seine Enkel und seine Urenkel keinen Krieg mehr erleben müssen. Er hat die Schrecken, die er als junger Soldat erleben musste, nie vergessen.

Mein Großvater gehörte zu der Generation, die den Zweiten Weltkrieg bewusst erlebt hat. Viele dieser Generation leben nicht mehr. Und damit gibt es auch immer weniger Zeitzeugen, die selbst berichten können, wie sie Krieg erlebt haben. Natürlich, man kann ein Buch darüber lesen. Das habe ich auch getan. Aber nichts fand ich so beeindruckend und einprägsam wie die wenigen Erzählungen meines Großvaters. Denn er hat mir begreiflich gemacht: Frieden ist ein ungeheuer kostbares Gut, Frieden ist nichts Selbstverständliches. Vergiss das nie!

Im Alten Testament heißt es in Psalm 34: „Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippe vor falscher Rede! Meide das Böse, und tu das Gute; suche Frieden und jage ihm nach.“ Dem Frieden nachjagen: Das finde ich wichtig. Und für diesen Frieden will ich mich einsetzen – im Kleinen wie im Großen.

 

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