Güte ist nie vergeblich
Gesprochen von Claudia Rudolff
Zum Schluss war Albrecht im Heim. Er wusste, dass er nicht mehr alleine leben konnte. Also bat er seine Kinder und seinen Arzt, ihm beim Umzug zu helfen. Viel nahm er nicht mit. Als erstes packte Albrecht seine Heiterkeit ein. Er wollte möglichst nicht jammern. Seine neunzig Jahre waren sehr reich. Reich an Liebe.
Ein Leben voller Liebe
Ich habe ihn gerne im Heim besucht. Als er bald nur noch liegen konnte, sagte er einmal zu mir: Weißt Du, ich hätte mir nie vorstellen können, wie hilflos und schwach man werden kann. Er sagte das ruhig. Ohne Vorwurf oder Jammern.
Wie fühlt sich Hilflosigkeit an?
Wir schauten uns an. Schwiegen ein bisschen. Ich ahnte, dass wohl noch etwas kommt. Dann holte er noch einmal tief Luft und sagte: Aber, ganz ehrlich - ich hätte mir auch nie vorstellen können, wieviel Hilfe ich bekomme von meinen Söhnen, den Schwestern und Pflegern, dem Arzt. Das ist wirklich ein Wunder.
Das Wunder der Fürsorge
Früher hat er anderen geholfen. Ohne lange zu fragen. Ich konnte bei ihm anrufen, dann war er da oder hatte einen Rat. Das war jetzt vorbei. Aber wie ein Wunder kam alles zu ihm zurück. Als sei Liebe ein Bumerang.
Kommt Güte immer zurück?
Mein Freund war sehr schwach. Und sehr heiter. Gott lohnte ihm wohl alles. Güte ist nie vergeblich im Leben, lernte ich an seinem Bett. Eines Tages kommt sie zurück. Vielleicht am Krankenbett. Oder im Heim. Überraschend. Und der Himmel geht auf. In der Fürsorge von Menschen.