Die Predigt der Gemüsepflanzen
Für unser Gemüsebeet im Garten kaufe ich in der Pflanzzeit junge Salat- und Gemüsepflanzen auf dem Markt. Vor einigen Wochen waren es Kopfsalat und Kohlrabi. Sorgfältig wickelte die Marktfrau diese in alte Zeitungen, damit sie den Transport gut überstehen.
Gemüsepflanzen im Zeitungspapier
Zu Hause fällt mein Blick beim Auspacken der Pflänzchen auf die Zeitungsseiten. Sie sind bedruckt mit Todesanzeigen. Namen von Menschen, die gelebt, geliebt, gearbeitet und gehofft haben. Lebensgeschichten, die nun zu Ende gegangen sind. Und mitten darin liegen die kleinen Salat- und Kohlrabipflanzen. Zart, grün, voller Leben. Bereit eingepflanzt zu werden, zu wachsen und Nahrung zu schenken. Welch ein gegensätzliches, fast widersprüchliches Bild!
Erinnerung an Vergänglichkeit und neues Leben
Auf der einen Seite die Todesanzeigen, die Erinnerung an die Vergänglichkeit unseres Lebens. Auf der anderen Seite das frische Wachstum, neues Leben, eine neue Zukunft. Beides gehört untrennbar zusammen. Auch die Bibel kennt diese Spannung. Im Johannesevangelium sagt Jesus: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh 12, 24) Aus dem Ende des einen wächst Neues hervor. Aus dem, was vergeht, entsteht Leben.
Menschen, die Spuren hinterlassen
Die Todesanzeigen auf dem Zeitungspapier erzählen von Menschen, die Spuren hinterlassen haben. Ihre Worte, ihre Liebe und ihre Taten leben in ihren Angehörigen und Bekannten weiter. Und die kleinen Pflanzen erinnern daran, dass durch die Auferstehung der Tod nicht das Ende ist. Gott schenkt neues Leben – ewiges Leben, wie es Christen glauben.
Die Predigt der Gemüsepflanzen
So wurden mir die Gemüsepflanzen in ihrem Zeitungspapier an diesem Tag zu einer stillen Predigt: Unser Leben ist begrenzt – aber Gottes Hoffnung reicht weiter. Wo wir ein Ende sehen, lässt Gott Neues wachsen.