hr4 ÜBRIGENS
hr4
Zimmermann, Anke

Eine Sendung von
Anke Zimmermann,
Evangelische Pfarrerin, Homberg/Efze

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Der Blick nach oben

Im Sommer habe ich mir mit meinem Bruder eine Busreise gegönnt zu den schönsten Kathedralen in Nordfrankreich. Nach den vielen Besichtigungen der wunderbaren großen Kirchen hatte ich oft leichte Nackenschmerzen. 

Gotische Kathedralen lenken den Blick nach oben 

Irgendwie gehörte es zu dieser Reise dazu, denn in den beeindruckenden Kathedralen habe ich meinen Kopf oft weit nach hinten gelegt, um die Größe des Kirchenraumes und der wundervollen Glasfenster zu bestaunen. Atemberaubend. Und ich habe gelernt: Der Baustil der Gotik richtet den Menschen auf. 

Die gotische Architektur als Zeichen von Hoffnung und Würde

Im 12./13. und 14. Jahrhundert haben viele Menschen in kleinen, einfachen Häusern und Baracken gelebt. Sie haben körperlich schwer gearbeitet und hatten wenig zum Leben. Vielleicht haben sie in gebeugter Haltung und voller Ehrfurcht die große Kathedrale in ihrer Stadt betreten. Ich stelle mir vor, wie sie sich langsam aufgerichtet haben, um die Größe des Raumes zu sehen und die bunten Glasfenster zu bestaunen. 

Gotische Kirchen erzählen von Gottes Größe und Licht 

Die hohen gotischen Kathedralen erzählen von der Größe und von der Kraft Gottes. Gott richtet den Menschen auf durch seine Liebe. Dieser Glaube muss körperlich erfahrbar gewesen sein. In den Kathedralen konnten die Menschen aufrecht stehen und gehen. Und sie haben nach vorne zum Licht gesehen. Das muss fast himmlisch für sie gewesen sein, auch wenn der Blick nach oben mal Nackenschmerzen mit sich brachte.

Gott richtet auf und Gott schenkt Licht. Das haben Menschen erlebt und dies erleben Menschen heute. Auch darüber konnten wir uns auf unserer Reise austauschen. Und wir waren uns einig: Wie gut, wenn der Blick nach oben geht, nicht nur in gotischen Kathedralen.