hr4 ÜBRIGENS
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Häbel, Dr. Ulf

Eine Sendung von
Dr. Ulf Häbel,
Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen

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Eine Hand dreht an einem Regler eines retro Radioapparats. Der Radio hat ein Ziffernblatt und befindet sich auf einem Holztisch. Im Hintergrund sind unscharfe Möbel zu sehen.

17. Juni 1953: Als Mutter vor dem Radio saß

Der siebzehnte Juni ist für mich ein besonderes Datum. Heute vor dreiundsiebzig Jahren begann der Volksaufstand in der damaligen DDR. Als mein Bruder und ich damals aus der Schule heimkamen, saß meine Mutter vor dem Radio und weinte. „Es ist wieder Krieg“, sagte sie. Im Radio wurde von Schüssen in Ostberlin berichtet. Wieder Krieg.

Volksaufstand 1953: Angst und Erinnerungen einer Familie

Dabei war der Zweite Weltkrieg gerade mal acht Jahre vorbei. Und unser Vater war nicht zurückgekehrt. Dazu kam für meine Mutter die Sorge um unsere Verwandten im Osten. Die Familie war durch die Folgen des Krieges, durch Flucht und Vertreibung auseinandergerissen. Ein Teil lebte im Westen, dazu gehörte ich.

Geteilte Familie in Ost und West: Leben mit den Folgen der Teilung

Der andere Teil lebte im Osten, in der damaligen DDR. Das hat uns als Familie lange begleitet. Meine Mutter hat uns immer gesagt: Wir gehören zusammen. Gerade in Zeiten der Bedrohung und der Not müssen wir aneinander denken und füreinander da sein. Bei uns hieß das: Briefe schreiben, zu Weihnachten Päckchen schicken, sie so gut das ging zu besuchen und füreinander zu beten. 

Zusammenhalt trotz Grenze: Zeichen von Nähe und Hoffnung

Für mich ist dieser 17. Juni nicht nur eine Erinnerung. Er steht auch für die Sehnsucht nach Frieden. Und für die Mahnung, ihn Ernst zu nehmen. Der frühere deutsche Bundespräsident Gustav Heinemann hat das einmal so gesagt: Der Ernstfall, in dem der Mensch sich zu bewähren hat, ist nicht der Krieg, sondern der Friede.