hr4 ÜBRIGENS
hr4
Jaeger, Frank-Nico

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer, Bad Hersfeld

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Gott im Wäschewarengeschäft

Manchmal feiere ich mit einer Kollegin und einem Kollegen Gottesdienst an einem anderen Ort. Diesmal geht’s in ein Mieder- und Wäschewarengeschäft. 

Gottesdienst an einem ungewöhnlichen Ort

Ich bin skeptisch. Wie wollen wir dort Gottesdienst feiern? Wo finden wir zwischen BHs, Schlüpfern und Bikinis Gott? Kurz vor Beginn des Gottesdienstes ist der Verkaufsraum bereits voll mit Menschen. Matthias muss sein Keyboard auf der Ladentheke abstellen. Und nachdem wir „Ich will lieber Schokolade“ gesungen haben, erzählt Antje, die Chefin, von verunsicherten Kundinnen. Sie wissen oft nicht, was Ihnen steht und wie schön sie sind. Und Christel ergänzt, dass dies auch an einem völlig verdrehten Schönheitsideal liegt. 

Gott ist dabei - auch im Wäschegeschäft

Dann ist Simone an der Reihe. Als Betroffene berichtet sie, was ihr nach der Diagnose Brustkrebs geholfen hat. Währenddessen ist es sehr still. Alle hören zu, weil da eine vom Leben spricht. Der ungewöhnliche Ort ist jetzt der absolut richtige. Simone hat damals gespürt: im gekachelten Keller der Chemotherapie hat Gott neben ihr gesessen. Und ich spüre: er steht jetzt in dem kleinen Verkaufsraum neben den roten BHs. 

Eine Hoffnungsgeschichte am richtigen Ort

Das Gott bei ihr war, das hat Simone in der schweren Zeit der Bestrahlung geholfen und, so erzählt sie, auch der Wunsch, das erste Enkelkind aufwachsen sehen zu können. Daraus hat sie Kraft geschöpft. Und davon berichtet sie auch den Kundinnen, die mit einer ähnlichen Geschichte zu ihr in den Laden kommen. Sie weiß, wie es diesen Frauen geht. Und diese fühlen sich verstanden in ihrer schwierigen Situation. Simones Worte stehen lange im Raum. Dann spielt Matthias, erst ganz leise und dann mit Wucht, “You are so beautiful”. 

Gottesdienst an anderem Ort. Wunderbar. Und ich glaube: Gott war mittendrin.