Geteilte Freude ist doppelte Freude
„Der hat sein Leben am besten verbracht, der die meisten Menschen hat froh gemacht.“
Diesen Reim habe ich als Kind gelernt und nicht mehr vergessen. Eine Erzieherin im Kindergarten hat mir diesen Vers vorgesagt. Schwester Hannah nannten wir sie, weil sie Diakonisse war, also eine evangelische Ordensfrau.
Lebensweisheit aus Kindertagen
Schwester Hannah konnte mit uns wuseligen Kindern gut umgehen. Sie hat Streit geschlichtet und uns wichtige Regeln beigebracht fürs Zusammenleben. Und auch manche Lebensweisheit. So wie diese: „Der hat sein Leben am besten verbracht, der die meisten Menschen hat froh gemacht.“
Ein Widerspruch zur Leistungsgesellschaft?
Dieser Reim hört sich an wie ein Widerspruch zu vielem, was sonst im Leben gilt: Höher, schneller, reicher. Der Stärkste gewinnt. Clever ist, wer andere austrickst.
Ein anderer Blick auf das Leben
„So soll euer Leben nicht sein“, hat Schwester Hannah gemeint. Sie war überzeugt: Clever ist, wer zur Versöhnung beiträgt. Wer Freude verbreitet statt Angst, der ist gut dran. Man mag diese Lebenseinstellung unrealistisch finden oder naiv; ich finde sie gut.
Silvester – Zeit zum Nachdenken
Gerade am Silvesterabend scheint mir diese Haltung sinnvoll und hilfreich. Wenn ich heute Abend auf das alte Jahr zurückblicke, denke ich nicht zuerst daran, was schiefgegangen ist, wo ich Fehler gemacht und mich geärgert habe.
Dankbarkeit und geteilte Lebensfreude
An Silvester blicke ich lieber auf das zurück, was mir gelungen ist. Ich will mich an die Augenblicke erinnern, in denen ich mit anderen Menschen Lebensfreude geteilt habe und glücklich gewesen bin.
Vielleicht stimmt es doch: Der hat dieses Leben am besten verbracht, der die meisten Menschen hat froh gemacht.