Ein Gesicht wie meins
Zum Foto: Pierre Zielinski, Bürger ohne Obdach, sitzt mit einem Sheltersuit, einem Winter-Parka mit integriertem Schlafsack, im Bahnhof. Die Johanniter-Hilfsgemeinschaften und die Sheltersuit Foundation starten ihre bundesweite Winterhilfe und verteilen über 800 wetterfeste Sheltersuits in 30 Städten. Das Foto wurde im Dezember 2025 gemacht.
Eine überraschende Situation: der Ruf vor der Pfarrhaustür
Die Organistin steht vor der Pfarrhaustür und ruft mir zu: Können Sie mal schnell kommen? Da ist ein Obdachloser, der ist ganz aufgebracht. Ich komme mit in die Kirche. In der ersten Bankreihe sitzt der Mann. Wildes Haar. Ausgebeulte Hose.
Ein Gespräch entsteht – Vertrauen auf Augenhöhe
Er fragt mich: Wer bist denn du? Ich sage zu ihm: Ich heiße Markus Stambke, ich bin der Pfarrer hier. Und er sagt: Der Pfarrer, Mensch, dann setz dich mal. Und so setze ich mich zu ihm und frage ihn: Und wer sind Sie? Ich heiße Georg. Aber du kannst Schorsch sagen.
Woher kommt Schorsch?
Ich frage: Schorsch, wo kommst du eigentlich her? Er erzählt von Rumänien. Von der Familie. Von seinen Kindern. Auf der Suche nach Arbeit ist er hierhergekommen. Und hat manchmal Arbeit gefunden auf Baustellen oder bei Lagerarbeiten.
Die Sehnsucht nach Hause treibt ihn an
Ich frage ihn: Was hast du nun vor? Er sagt: Ich will zurück, ich muss nach Hause. Ok, sage ich. Brauchst du noch etwas? Wenn du mal ein paar Euro hast, sagt er.
Ein Lächeln und ein ehrlicher Moment der Menschlichkeit
Wir stehen auf. Und dann fängt er an zu lachen und sagt: Weißt du eigentlich, was das Beste ist? Das Beste ist, dass du ein genauso saublödes Gesicht hast wie ich auch! Er lacht, nimmt die paar Euro und weg ist er.
Dankbarkeit und Einsicht – was verbindet uns Menschen wirklich?
Ich denke: Genau das ist es. Er und ich sind einfach nur Menschen. Mit unserer Geschichte. Und jeder mit einem Gesicht gesegnet, mit dem wir uns anschauen können. Danke, Gott, für mein Gesicht und das der anderen!