Liebe ist nicht immer lieb
Mit „Liebe und Versöhnung“ sollen wir Terroristen begegnen, sagt Margot Käßmann, ehemalige Bischöfin. Das klingt schön. Und sie erinnert an Jesus, der gesagt hat (Neues Testament, Matthäusevangelium Kapitel 5, Verse 38-45): Liebet eure Feinde; bittet für die, die euch verfolgen. So sollen wir sein, sagt Frau Käßmann. Kaum hatte die Zeitung das an Ostern gedruckt (BamS 27.03.2016), explodiert in Pakistan eine Bombe. Ein Selbstmordattentäter zündet sie in einem Park, in dem christliche Familien Ostern feiern, ausgelassen. Sie kommen vom Gottesdienst und wollen noch zusammen essen, fröhlich sein und ihre Kinder auf der Wiese spielen lassen. Da sprengt sich einer neben ihnen in die Luft und tötet siebzig Frauen und Kinder. Was ist nun mit Liebe und Versöhnung?
Ich weiß nicht, ob Jesus an Terroristen denkt, als er sagt: Liebet eure Feinde; und: Versöhnt euch mit denen, die euch hassen. Wollen sie denn von mir geliebt werden, die Selbstmordattentäter? Wollen sie meine Versöhnung? Ich denke Nein. Sie wollen das Blut anderer. Sie wählen nicht aus, sondern töten Frauen und Kinder. Vielleicht versprechen sie sich Ruhm und Ehre und ein weiches Paradies, das weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass Liebe Grenzen hat. Anders gesagt: Liebe ist nicht immer lieb. Auch bei Jesus nicht.
Manchmal ist Liebe Widerstand: bis hierher und nicht weiter. Dann will ich mich nicht kampflos ergeben und will nicht, dass sich Christen kampflos ergeben. Niemand hat das Recht, im Namen seines Gottes zu morden. Und niemand muss hinnehmen, wenn gemordet wird. „Liebe und Versöhnung“ können auch Widerstand sein, wenn es nicht anders geht. Wo jemandem jedes Mittel Recht ist, gibt es die Christenpflicht zum Nein. Zum Schutz der Gläubigen. Also zur Ehre Gottes. Beten und widerstehen. Wer zum Opfer werden kann, hat Schutz und Liebe verdient.