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Eine Sendung von

evangelisch, Frankfurt am Main

Meine Oma kann das nicht

Meine Oma kann das nicht

Es ist ein Satz, der mich freut, der mir gut tut. Und der kommt regelmäßig, wenn junge Männer beobachten, dass ich - mit weißen Haaren - ein Smartphone habe, auf dem ich mich offensichtlich unproblematisch orientieren kann. Dann folgt so gut wie sicher dieser Satz: „Meine Oma kann das nicht!“ Es macht mich ein bisschen stolz, dass junge Leute beeindruckt sind, wenn eine Seniorin etwas beherrscht, das ihr Privileg ist.

Aber dieser Ausruf hat auch eine Kehrseite. Er bedeutet ja, dass es viele Omas – und vermutlich auch Opas – gibt, die auf die Hilfe ihrer Enkel angewiesen sind, damit sie in der neuen Zeit dazugehören. Und wirklich: ich höre oft den Satz von Menschen meines Alters: “Geh mir damit weg, das ist nichts für mich, das kann ich nicht!“

Mir ist das auch lange Zeit so gegangen. Ich war ziemlich sicher, dass man ab 70 weder PC noch Smartphone oder iPhone oder Tablet beherrschen kann. Zum ersten Mal hörte ich von der Reiseleiterin während einer Reise durch Estland, dass man das Land vollständig ans Internet angebunden hat, dass jeder Mitbürger ein PC hat und dass sie selber gerade gestern einem alten Herrn von über 80 den Zugang zum Internet beigebracht hat. Mir hat das sehr imponiert! Und das war für mich der Anstoß. Zuerst lernte ich Post zu empfangen und zu versenden, und dass man von E-Mail redet und weniger vom Brief, obwohl es für mich einer ist, nur auf einem anderen Weg transportiert. Und so geht es Schritt für Schritt weiter. Und mein neues Handy war dann ein Smartphone, eines, das den jungen Männern so imponiert.

Weshalb ich das erzähle? Ich möchte allen Senioren und Seniorinnen, die nicht mehr mit ungebrochener körperlicher Kraft unterwegs sein können, zuraten, sich mit  den neuen Medien, mit dem Internet, dem E-Mail Verkehr, den modernen Telefonen auseinander zusetzen. Es öffnet sich eine neue, interessante Welt. Und es gibt überall nette Menschen, die bereit sind, einem am Anfang geduldig eine Menge zu erklären. Es muss nicht immer der ohnehin überarbeitete Sohn, die gestresste Tochter sein, deren Geduld begrenzt ist. Es tut vielleicht auch die Tochter der Freundin oder der Enkel.