Frühling
Heute ist der 26. März! Also das ist doch mitten im Frühling! Aber irgendetwas stimmt da nicht: in Frankfurt schafft das Thermometer es mittags gerade bis auf +3° und 350 km östlich, da wo meine Verwandten leben, da fällt die Temperatur des Nachts unter -10°.
Zeitung, Radio und Fernsehen melden dieses außergewöhnliche Frühjahr mit der Information, dass die Bienen hungrig sind, weil es nichts Blühendes gibt, dass die Gärtner vorgezogenen Primeln nicht los werden, weil sie kein Mensch für den eigenen eiskalten Garten einkauft, und die Bauern müssen die bereits gelegten Frühkartoffeln wieder umpflügen, weil sie in dem kalten Boden verrottet sind. An Spargel ist gar nicht zu denken.
Und es wird vorgerechnet, dass es einen so kalten März seit 100 Jahren nicht gegeben hat. Und doch – ich wage es zu sagen – sind das alles Luxusprobleme. Wir müssen nicht frieren, denn wir können unsere Wohnungen heizen – wenigstens die allermeisten von uns.
Es ist noch gar nicht allzu lange her, da war das auch in Deutschland nicht selbstverständlich. Wer die kalten Winter früher erlebt hat, der ist immer noch glücklich über die warme Stube heute. Damals wurden Kältetote in der eigenen Wohnung gemeldet. Es war nichts Ungewöhnliches.
Unerklärliche Wetterkapriolen. Wir fliegen bis zum Mond, demnächst bis zum Mars - aber gegen Wetterphänomene hat immer noch kein Mensch ein Mittel.
Wetter – das ist gottgegeben. Und so ist es von alters her angesehen worden. Bis heute müssen, ja, können wir es so nennen. So können wir glauben und darum beten. Beten für die frierenden Menschen in Russland, beten für die eingeschneiten und von der Welt Abgeschnittenen in der Ukraine, beten für die Notleidenden in Schottland und Irland, beten für die Menschen, deren Existenz hier bei uns auf dem Spiel steht.