Was ist eigentlich Religion?
Moderator/in: Rund 70 bis 80 Prozent der Menschheit gehören einer Religion an. Und weil sich die verschiedenen Religionen viel zu oft gestritten haben, ist heute der „Welttag der Religionen“ … der Tag, an dem es darum geht, den gegenseitigen Respekt zu fördern und das gegenseitige Kennenlernen. Eigentlich ein guter Tag, um mal Fabian Vogt von der Evangelischen Kirche zu fragen: Was genau ist denn eigentlich Religion?
Fabian Vogt: Religion heißt erst mal, dass ich überzeugt bin: Es gibt im Leben mehr als das, was man messen, wiegen oder zählen kann. Es gibt etwas … sagen wir mal … Göttliches. Und im Christentum kommt dazu die Gewissheit: Dieser Gott, der liebt die Menschen. Auch mich. Und es lohnt sich, ihn kennenzulernen – selbst wenn dabei etwas offenbleibt.
Aber schon diese Grundfrage finde ich echt faszinierend: Möchte ich lieber in einer Welt leben, in der alles erklärbar ist – oder in einer, in der es auch Geheimnisvolles gibt, Wunderbares, Unerklärliches? Ich weiß, was ich da wähle.
Moderator/in: Trotzdem ist es doch ganz schön, wenn man Dinge beweisen kann.
Fabian Vogt: Stimmt. Aber ich sag mal so: Liebe kann mir auch keiner so richtig erklären. Oder Hoffnung. Wenn jemand zu mir sagen würde: „So, du und diese Frau, ihr beide seid jetzt zusammen, weil das mathematisch und biologisch passt.“ Dann würde ich sagen: „Nee, ich möchte mich gerne richtig verlieben.“ Ich will Liebe fühlen, erleben, spüren, probieren, wagen, entdecken. Und dabei wird einiges passieren, was ich nicht erklären kann.
Im Christentum gibt es übrigens das schöne Bekenntnis: „Gott ist die Liebe!“ Vielleicht, weil für beide gilt: Man kann sie nicht beweisen, aber wenn man sie erst mal kennengelernt hat, möchte man nie wieder ohne sie leben.