Start ins neue Schuljahr
Moderator/in: 6 Wochen Sommerferien sind vorbei. Vielleicht geht es Euch wie mir: ich frage mich dauernd, wo sind die letzten 6 Wochen geblieben? Und Ihr kennt bestimmt auch dieses flaue Gefühl im Magen, das pünktlich am letzten Ferien-Wochenende einsetzt? Wenn der Wecker für Montag heuet Abend gestellt wird und man realisiert: Das war’s jetzt mit der Freiheit. Steffi Mosler von der katholischen Kirche, Du hast damit auch ein bisschen zu kämpfen?
Steffi Mosler: Absolut. Psychologen nennen das tatsächlich „Post-Holiday-Syndrom“. Aber bei Jugendlichen geht das ja viel tiefer als nur „kein Bock auf Aufstehen“. Es ist der harte Cut von „Ich kann komplett ich selbst sein und meinen Tag bestimmen“ hin zu „Ich funktioniere wieder in einem starren System“. Jedes neue Schuljahr fühlt sich ein bisschen an wie der “Reset-Knopf” in einem Videospiel. Alles auf Anfang.
Moderator/in: Man fragt sich ja auch insgeheim: Wer bin ich eigentlich, wenn ich am Montag durch diese Schultür gehe? Bin ich noch der gleiche wie vor sechs Wochen?
Steffi Mosler: Ferien verändern einen. Man hat neue Musik gehört, neue Leute kennengelernt, vielleicht über Dinge nachgedacht, für die im Schulstress nie Zeit war.
Eine neue Chance für sich selbst
Und plötzlich soll man sich wieder in die alte Schublade stecken lassen. Genau das ist die Chance. Ein neues Schuljahr ist wie eine weiße Seite. Man kann Rollen ablegen, die man eigentlich gar nicht mehr spielen will. Aber der Druck ist natürlich da. Und mittendrin die neuen Fünftklässler oder die ganz kleinen Abc-Schützen, die ja auch in einer komplett neuen Rolle sind.
Moderator/in: Stimmt, die Kleinen checken die Welt oft noch gar nicht. Die stolpern da rein und als älterer Schüler vergisst man ganz schnell, dass man auch mal klein und unbeholfen war.
Steffi Mosler: Aber genau da liegt ja eine krasse Verantwortung. Die Jüngeren schauen extrem auf die älteren Schüler. Das war schon immer so. Wie die über die Straße gehen, wie gechillt oder rücksichtsvoll die sind.
Unsere Rolle neu definieren
Eigentlich sind die älteren Jahrgänge ab Montag die echten Bodyguards und vielleicht könnte das auch so eine neue Rolle sein, dass wir lernen aufeinander aufpassen, weil die Welt da draußen gerade für die Kleinen verdammt schnell und laut ist und die die Großen auch brauchen, um alle Herausforderungen zu meistern.