Palmsonntag: Frieden statt Macht
Moderator/in: Heute ist Palmsonntag. Der Tag, an dem Jesus in Jerusalem eingezogen ist. Und zwar ziemlich überraschend auf einem Esel. Das wirkte schon damals nicht gerade majestätisch. Fabian Vogt von der Evangelischen Kirche: War das eine bewusste Inszenierung – oder warum wählt Jesus ausgerechnet einen Esel?
Auf dem Esel – Zeichen der alten Prophezeiung
Fabian Vogt: Klar war das eine Inszenierung. Aber noch mehr: die Erfüllung einer alten Prophezeiung. Ein Prophet hatte viele Jahrhunderte vorher verkündet: „Wenn der wahre König Israels nach Jerusalem kommt, dann wird er arm sein und auf einem Esel reiten.“ (Sacharja 9,9) Jesus macht mit seinem Einzug also deutlich: „Jetzt erfüllt sich diese Prophezeiung. Ich bin der, auf den ihr gewartet habt.“ Das ist großes Kino. Kein Wunder, dass die Leute jubeln, singen, ihre Kleider auf dem Weg ausbreiten – das galt damals als Zeichen der Ehrerbietung – und begeistert Palmzweige schwenken. Darum auch der Name Palmsonntag.
Moderator/in: Trotzdem: Ein König auf einem Esel ist schon ein bisschen seltsam, oder?
Ein König, der den Frieden bringt
Fabian Vogt: Ja, klar. Aber genau darum geht es. Jesus macht deutlich: „Ich komme eben nicht als weltlicher Herrscher, der Macht will, Gegner vertreibt und sich auf den Thron setzt.“ Jesus versteht sich als Friedensfürst. Einer, der inneren Frieden bringt. Und da passt der Esel perfekt. Er steht für Bescheidenheit, Gewaltlosigkeit und Einfachheit. Wenn‘s um inneren Frieden geht, dann brauche ich keinen, der von oben herab regiert. Sondern einen, der vom hohen Ross runtersteigt und an meiner Seite ist. Genau dafür steht der Palmsonntag.