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Vogt, Dr. Fabian

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer in der Öffentlichkeitsarbeit, Frankfurt

Fünf Frauen in sportlicher Kleidung springen gleichzeitig in einem alten, ungenutzten Raum mit hohen Decken. Der Boden ist uneben und es sind einige Kisten sichtbar. Die Atmosphäre ist energetisch und dynamisch.

Geschüttelt und gerührt: „Das Testament der Ann Lee“

Moderator/in:  Heute startet ein erstaunlicher Film in den deutschen Kinos: „Das Testament der Ann Lee“. Ein Musicaldrama. Amanda Seyfried spielt darin die Anführerin einer religiösen Bewegung in Amerika. Fabian Vogt von der Evangelischen Kirche: Die Geschichte einer tiefreligiösen Frau im 18. Jahrhundert als flotter Musikfilm … passt das denn zusammen?

Wer ist Ann Lee und warum ein Musicaldrama?

Fabian Vogt: Das passt super. Denn Ann Lee hat ja eine ungewöhnliche Glaubensgemeinschaft gegründet. Die wurde vor allem bekannt für ekstatische Gesänge und leidenschaftliche Tänze. Tänze, bei denen der ganze Körper geschüttelt wurde. Daher der Name der Bewegung: die Shaker. Also: Schüttler.
In England wurde Ann Lee wegen ihrer ungewöhnlichen Gottesdienste verfolgt. Deshalb wandert sie 1774 mit acht Leuten nach Amerika aus. Und dort wird aus der kleinen Gruppe eine ziemlich große Gemeinschaft.

Zwischen Idealismus und Radikalität: Was macht die Shaker aus?

Spannend finde ich dabei: Die Shaker waren total fleißig und sehr kreativ. Sie haben gegen die Sklaverei gekämpft und die Gleichberechtigung von Mann und Frau gelebt. Aber: Sie haben auch sexuelle Enthaltsamkeit gefordert, selbst in der Ehe –ein Grund, warum die Gemeinschaft heute quasi nicht mehr existiert.
 
Moderator/in: Was genau macht denn den Film für dich sehenswert?

Film-Tipp aus kirchlicher Sicht: Warum sich „Das Testament der Ann Lee“ lohnt

Fabian Vogt: Die Schütteltänze sind unglaublich stark. Und natürlich die Geschichte von Ann Lee: Aus einem traumatisierten Menschen wird eine starke und begeisternde Frau – aus ihrem Glauben heraus: Das hat mich beeindruckt. Und: Ann Lee wollte ein Miteinander, in dem die Ideale Jesu Wirklichkeit werden. Ich habe sofort gedacht: Solche Träumerinnen und Träumer brauchen wir – auch wenn Ann Lee ab und an über das Ziel hinausgeschossen ist. Wir brauchen Menschen, die im positiven Sinn aufgerüttelt sind.