Feiertags-Marathon
Moderator/in: Jetzt haben wir sie alle hinter uns: die vielen Feiertage der letzten Wochen. Da kann man schon mal durcheinanderkommen – keine richtige Routine, ständig ein anderer freier Tag. Und da stellt sich fast automatisch die Frage: Was feiern wir da eigentlich? Judith Vonderau von der katholischen Kirche, wie blickst du darauf?
Judith Vonderau: Das stimmt, gerade im Mai und Juni reiht sich ein Feiertag an den nächsten. Und bis auf den 1. Mai haben sie alle einen kirchlichen Ursprung: Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam. Für viele Menschen, die keinen direkten Bezug zur Kirche haben, sind das erst einmal einfach nur freie Tage. Da kann schon der Eindruck entstehen, dass der eigentliche Sinn dieser Feste ein Stück weit verloren geht.
Moderator/in: Es gibt ja auch immer wieder die Forderung, einige dieser Feiertage abzuschaffen, weil sie im Alltag vieler gar keine große Rolle mehr spielen. Wie siehst du das?
Judith Vonderau: Ich würde sagen: Gerade deshalb sollten wir sie nicht vorschnell infrage stellen. Feiertage sind wichtige Unterbrechungen im Alltag. Sie holen uns raus aus dem Funktionieren, aus dem ständigen „Weiter, weiter“. In einer Zeit, die oft sehr getaktet ist, sind solche Pausen unglaublich wertvoll. Und ursprünglich erzählen diese Tage ja von großen Themen: von Hoffnung, von Aufbruch, von Gemeinschaft.
Moderator/in: Also steckt mehr dahinter als nur ein freier Tag?
Judith Vonderau: Auf jeden Fall. Auch wenn jemand die Feste nicht bewusst kirchlich feiert, bleibt der Charakter: Es sind geschenkte Zeiten. Zeiten, die ich bewusst gestalten kann – für mich, für andere, für das, was im Alltag oft zu kurz kommt. In diesem Sinn sind kirchliche Feiertage ein Angebot an alle. Die Kirche hält diese Tage gewissermaßen frei – und jeder Mensch kann sie für sich füllen. Nicht nur fragen „Was machen wir mit dem freien Tag?“, sondern auch „Was tut mir gut – und was gibt mir neue Kraft?“ Dann bekommen diese Tage wieder eine tiefere Bedeutung, ganz unabhängig davon, wie nah man der Kirche steht.