Blindes Vertrauen
Heute ist der Tag des weißen Stocks – ein weltweiter Aktionstag für blinde und sehbehinderte Menschen, 1964 hatte der damalige US-Präsident Lyndon B. Johnson diesen tag erstmals ausgerufen. Eingebettet ist der in die Woche des Sehens, die gerade in Deutschland stattfindet. Eine Woche, die vor allem dazu dienen soll, sehbehinderten Menschen ganz viel Selbstständigkeit zu ermöglichen, weiß Steffi Molser von der katholischen Kirche.
Moderation: Wir begleiten in dieser Woche ja einige sehbehinderte Sportler, die trotz ihrer Einschränkung Höchstleistung bringen. Sei es beim Laufen, Rudern oder Schwimmen. Möglich machen das vor allem ihre sehenden Partner, die sie in ihrem Sport unterstützen und für sie sehe, sogenannte Para-Sportler: Die Strecke beschreiben und Hindernisse erkennen usw. Was für ein Vertrauen muss da herrschen Steffi Mosler von der katholischen Kirche.
Steffi Mosler: Im wahrsten Sinne des Wortes ist es blindes Vertrauen, denn diese Guides sind unverzichtbar. Manchmal sind sie nur durch ein kurzes Band an den Handgelenken miteinander verbunden, aber es ist die wichtigste Verbindung ihres Lebens. Die Guides sorgen für Sicherheit, Orientierung und nicht zuletzt sind sie auch für den Erfolg mitverantwortlich. Das braucht Vertrauen auf der ganzen Linie. Für uns Sehende ist das ziemlich schwer vorstellbar, uns so sehr auf einen Menschen zu verlassen.
Moderation: Warum? Weil wir doch eher zweifeln? Es lieber selber machen? Uns selber mehr vertrauen?
Steffi Mosler: Ja, ich glaube sich zu 100% fallen lassen, einem andern ja sein Leben anzuvertrauen, ist schon ein großes Ding. Als Parasportler musst du das tun. Dein Guide ist dein Auge, dein Kompass. Wenn der sagt: „Zieh an!“, dann rennst du. Wenn er sagt: „Ausweichen!“, dann springst du zur Seite. Ohne zu zögern. Das ist kein normales sportliches Teamwork mehr. Das ist die absolute, reinste Form von Vertrauen. Es ist ein gegenseitiges Geschenk: Der eine schenkt seine Augen und seine Kraft, der andere schenkt sein Leben und seine Sicherheit.
Moderation: Kann dieses vertrauen auch unseren Glauben stärken? Könen wir davon was mitnehmen?
Steffi Mosler: Ich finde mit Gott und dem Glauben ist es oft ganz ähnlich. Im Leben laufen wir auch manchmal durch die Dunkelheit. Wir wissen nicht, was hinter der nächsten Kurve kommt. Wir haben Angst vor dem Stolpern, Angst vor dem Hinfallen. wollen jeden Schritt im Voraus planen. Und genau dazu hat das Evangelium eine Einladung, im Psalm 23 steht dieser wunderschöne Satz: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Für die Sportler ist es das kurze Band zum Guide. Für uns ist es das unsichtbare Band zu Gott. Also die Hand ausstrecken. Zu dem Menschen neben uns – und zu Gott über uns. Und dann: Einfach loslaufen.