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Reuter, Eva

Eine Sendung von
Eva Reuter,
Katholische Pastoralreferentin, Citypastoral in Mainz und Frauenpastoral im Bistum Mainz

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Playmobil-Figur von Martin Luther auf einer Bibel.

Zeit der Reformen

Ich finde, ich bin eigentlich ganz gut in Form. - Vermutlich denken das viele Menschen. Diese Einschätzung ist subjektiv und vielleicht würde ein Fitnesstrainer zu einem anderen Ergebnis kommen. Wenn jemand merkt: Ich bin nicht mehr gut in Form, überlegt er oder sie sich meist, etwas zu tun. Manche starten eine Diät, andere machen mehr Sport. 

Was bedeutet „Reform“ eigentlich?

Wenn etwas aus den Fugen geraten ist, muss man es wieder in Form bringen – man muss es im Wortsinn „reformieren“. Darüber sind sich vermutlich viele Menschen einig. Die Schwierigkeiten beginnen bei der Umsetzung. 

Wir erleben das gerade in der Politik: Es ist allen klar, dass etwas getan werden muss, um mit den Folgen von Überalterung, Klimawandel und der Demokratiekrise gut umzugehen. Natürlich gibt es viele verschiedene Vorstellungen davon, wie die Reformen zu all dem aussehen sollten.

Was können wir aus der Reformation lernen?

Und manchmal sieht man auch erst mit großem Abstand, wo sich etwas entscheidend geändert und vielleicht gebessert hat. Wir wissen heute: Die Veröffentlichung von Martin Luthers Thesen war so ein entscheidender Anstoß zur Erneuerung. Heute am Reformationstag denke ich darüber nach, ob es nicht möglich ist, besser über nötige Schritte zu sprechen. 

Veränderungen sind oft eine Frage der Perspektive

Der Konflikt, auf den Martin Luther damals reagiert hat, hat damals viele Menschen beschäftigt. Das Problem war: Der Papst und der Kaiser waren der Meinung „Ich bin doch gut in Form“, „Es passt alles“. Also wollten sie nichts ändern. Von einem anderen Standpunkt betrachtet, war aber Einiges reformbedürftig. 

Hätte es anders kommen können?

Ich frage mich, was passiert wäre, wenn die Mächtigen nicht beratungsresistent gewesen wären. Wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn sie sich auf die Änderungsvorschläge von Martin Luther eingelassen hätten? Luther wollte damals ja keine neue Kirche gründen, er wollte die katholische Kirche verändern. Hätten wir dann heute eine große „reformierte“ Kirche? - Wir werden es nie erfahren. 

Aber trotz aller schrecklichen Folgen der Reformation – Kriege um Konfession und Religion – würde ich nicht sagen, Luther hätte den Versuch nicht machen sollen, die Kirche zu reformieren. 

Reformen sind wichtig

Ich finde es wichtig, Reformen anzustoßen, wenn man erkannt hat, dass etwas nicht mehr stimmt. Nur so kann sich eine Institution oder ein Land oder auch ein einzelner Mensch weiterentwickeln. 

Voraussetzung für eine gute und friedliche Reform ist allerdings, dass Menschen aufeinander hören und sich darauf einlassen, dass der andere möglicherweise in Teilen richtig liegt. Und dass sie verstehen wollen, worum es dem anderen im Kern geht. 

Warum lohnt es sich, trotz Konflikten im Gespräch zu bleiben?

Ich weiß aus Erfahrung: Das ist anstrengend. Aber ich bin davon überzeugt, es lohnt sich dranzubleiben. Viele von Luthers Anliegen wurden bis heute auch in der katholischen Kirche umgesetzt. Z.B. verkauft niemand mehr Ablassbriefe als garantierten Zugang zum Himmel und es wird schon lange in der Landessprache gepredigt. 

Ich wünsche mir deshalb heute für unser Land und meine Kirche die Bereitschaft zu Reformen, die unser Zusammenleben besser machen.