hr2 ZUSPRUCH
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Maschke, Andrea

Eine Sendung von
Andrea Maschke,
Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

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Eine Gruppe von vier Personen sitzt an einem Tisch und stößt mit Getränken an. Auf dem Tisch sind verschiedene Speisen wie Obst, Gemüse, Aufschnitt und Brot angerichtet. Die Atmosphäre ist freundlich und gesellig.

„Wir müssen echt mal was ausmachen!“

Viele Menschen schauen sich, während sie auf Bus und Bahn warten, die Werbung an, die in den Haltestellen hängt. In Frankfurt läuft an manchen U-Bahn-Haltestellen die Werbung sogar auf großen Bildschirmen. Oft geht es um Banken, Online-Anbieter oder Fastfood, unterbrochen von der Wettervorhersage, kurzen Nachrichten oder Quizfragen - bis die Bahn kommt, dann steht da: „Achtung, Zug fährt ein“. 

Die Plakate wollten nichts verkaufen, sondern für mehr Begegnung werben

In meinem Urlaub bin ich in Lissabon in einer U-Bahn-Station über sehr analoge Werbe-Plakate „gestolpert“, gestolpert im übertragenen Sinn, denn natürlich hingen die Plakate in Augenhöhe …. Aber doch so, dass ich stehen geblieben bin und mir ungläubig die Augen gerieben habe: Das steht da wirklich? 

Werbung nicht für mehr Konsum, sondern für mehr Begegnung.

Von den Werbeslogans habe ich mich ertappt gefühlt

Auf einem stand tatsächlich: „Erinnere dich dran: Deine Eltern wohnen immer noch an der gleichen Adresse“. Das klingt vielleicht ein bisschen moralisch, aber mit viel Augenzwinkern. Ein anderes fragt: „Wann war dein letzter Abend mit deinen Freundinnen?“

Und am besten gefiel mir das Plakat mit dem Satz: Wie oft hast du in letzter Zeit gesagt: „Wir müssen echt mal was ausmachen“? – Da habe ich mich ja richtig ertappt gefühlt! Und angesprochen! Wie gut kenne ich das. Da trifft man jemand nach langer Zeit wieder und sagt: Lass uns doch mal einen Kaffee trinken gehen. Und meistens passiert das dann doch nicht. 

Oder der Kollege und seine Frau, mit denen ich mich schon lange mal wieder mal außerhalb der Arbeit treffen wollte – wenn dazu mal Zeit ist. Oder die Freundin, an deren Haus ich immer mal vorbei radle und ruhig mal klingeln könnte ….

Ich muss mir nur die Zeit fürs Wiedersehen gönnen

Wie viele Gesichter, wie viele Menschen kamen mir bei diesem Plakat in den Kopf! Einigen wenigen habe ich dann zumindest eine SMS geschickt: Lieber Gruß aus Lissabon! Und daheim lief dann der ganze Alltag wieder an. Und die Begegnungen, die das Leben so bereichern und so kostbar machen würden, wurden wieder verschoben. 

Aber manchmal klappt es auch, oft ganz spontan: ein Anruf, hej, ich bin gerade in der Stadt, hast du morgen ein Stündchen Zeit? Und ich weiß genau, wie glücklich ich meistens nach solchen Treffen bin. Ganz analog, zusammensitzen oder eine Runde spazieren gehen, gemeinsam Kaffee trinken, erzählen, diskutieren. Unspektakulär und so schön. Ich muss mir nur die Zeit nehmen, oder vielleicht besser: gönnen. 

Ich hoffe, dass nicht mehr nur bei dem Vorsatz bleibt

An meiner Wohnungstür hängt jetzt ein Foto von dem Plakat aus der Lissaboner U-Bahn-Station: „Wie oft hast du in letzter Zeit gesagt: „Wir müssen echt mal was ausmachen“?“

Und ich hoffe, dass es immer häufiger nicht beim Vorsatz bleibt, denn wie heißt es so schön: Machen ist wie wollen, nur krasser.😊