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Viertel, Dr. Matthias

Eine Sendung von
Dr. Matthias Viertel,
Evangelischer Pfarrer, Kassel

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Drei Frauen sitzen gemütlich zusammen auf einem Sofa, eingehüllt in Decken. Eine Frau hält eine rosafarbene Tasse und lächelt, während die anderen ebenfalls Tassen in den Händen halten. Die Atmosphäre ist warm und freundlich, ideal für einen entspannten Moment.

Wie aus Gemeinschaft Verantwortung wächst

Als Pfarrer habe ich in meiner Kirche regelmäßig Sprechstunden angeboten. Einmal kam eine junge Frau. Zuerst dachte ich, sie will eine Hochzeit planen oder eine Taufe anmelden. Aber das war es nicht. Sie wollte einfach nur mit jemandem sprechen, wahrscheinlich fühlte sie sich einsam und allein gelassen.

Einsamkeit bei jungen Menschen: Wie groß ist das Problem heute?

Einsamkeit ist zu einem wirklichen Problem geworden, speziell bei jungen Menschen. Gerade meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass unter ihnen jede vierte Frau und jeder vierte Mann unter dem Gefühl der Isolation leidet. Und das hat Folgen: Wer keine oder nur wenige Menschen in seinem sozialen Umfeld findet, wird schneller krank, bekommt häufiger Probleme mit Herz- und Kreislauf.

Gesundheitliche Folgen von Isolation

Überdies kann es psychische Schäden nach sich ziehen, wenn ich niemandem zum Reden habe, und alle Probleme ganz allein bewältigen muss. Bei den älteren Menschen ist die Einsamkeit sogar noch viel mehr verbreitet.

Leben in der Masse und doch allein

Je mehr Menschen auf engem Raum zusammenleben, umso größer wird das Gefühl, isoliert zu sein. Und offensichtlich unterstützt die digitale Vernetzung noch diesen Eindruck. Es ist eben ein Unterschied, ob ich chatte und E-Mails schreibe, oder ob ich einer Freundin in die Augen schaue und den Freund auch mal in den Arm nehmen kann.

Digitale Kommunikation vs. echte Nähe

Wenn immer größere Teile der Kommunikation auch noch durch die künstliche Intelligenz ersetzt werden, steigert es dieses Gefühl, allein und einsam zu sein.

Warum Kirche heute relevant bleibt

Vor diesem Hintergrund bekommt die Gemeinschaft der Kirche für mich eine ungeahnte Aktualität. Es ist kein Zufall, dass die Wurzeln des christlichen Glaubens in der Erfahrung von Gemeinschaft liegen. Jesus hatte eine Gruppe von zwölf Jüngern als engsten Freundeskreis um sich geschart, dazu kamen weitere Frauen und Männer.

Gemeinschaft leben wie Jesus: Was wir daraus lernen können

Mit ihnen verbrachte er Zeit, fuhr mit dem Boot auf den See. Sie teilten das Essen und die Probleme. Feierten und freuten sich über Wein und Musik. Sie suchten Nähe und boten sich gegenseitig Geborgenheit. Und das war gerade dann wichtig, wenn sich das Gefühl der Verlassenheit aufdrängte.

Wie Kirche aus Gemeinschaft entstand

Aus dieser Gemeinschaft wuchs die Kirche. Zuerst war das die Gruppe jener Menschen, die sich vertrauten und in guten wie schlechten Tagen füreinander da waren. Das Wort Gemeinde knüpft bis heute an diese Erfahrung an.

Wo erleben wir Gemeinschaft konkret?

Und noch immer lebt die Kirche durch die Erfahrung von Gemeinschaft: Im Chor, in der Jugendgruppe, oder in der Suppenküche. Der christliche Glaube ist eben keine Privatsache, die ich mit mir allein abmache. Er ist wesentlich an die Gemeinschaft gebunden.

Warum Gemeinschaft stark macht

Und noch ein anderer Aspekt wird durch die Untersuchung der WHO deutlich. Diese Studie zeigt, dass es in der Gruppe leichter fällt, sich zu engagieren. Wer mit anderen Menschen in eine vertraute Gemeinschaft eingebunden ist, überwindet die Einsamkeit, übernimmt mehr Verantwortung und schaut optimistischer in die Zukunft.