Wenn Schweigen spricht
„Man kann nicht, nicht kommunizieren“, sagt der österreichisch-amerikanische Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick. Ein Satz, der erst einmal einfach klingt – und es doch in sich hat. Denn er bedeutet: Kommunikation hängt nicht nur an Worten, denn der ganze Mensch ist ständig in Kommunikation mit seiner Umwelt. Ein Blick, eine Körperhaltung, aber auch ein Schweigen ist genauso Kommunikation, denn es sagt etwas aus.
Warum wir auch ohne Worte senden
Und sicherlich kennen Sie es nur zu gut: Manchmal sagt jemand nichts mehr und trotzdem ist plötzlich alles klar. Und manchmal werden viele Worte gemacht – und am Ende bleibt trotzdem ein großes Missverständnis. Kommunikation kann mächtig schiefgehen und ist im Alltag und im zwischenmenschlichen Miteinander oft ein Drahtseilakt. Und durch soziale Medien ist es keineswegs leichter geworden.
Wenn Kommunikation scheitert
Wenn ich mein eigenes Kommunikationsverhalten anschaue, dann stelle ich ehrlicherweise fest. Es gibt Situationen, da kommuniziere ich vor allem durch Schweigen. Zum Beispiel dann, wenn ich mehrmals versuche etwas zu sagen, und mir jedes Mal jemand aus der Runde ins Wort fällt. Dann ziehe ich mich zurück, ich werde ruhig.
Was wir ohne Worte ausdrücken
Zumindest äußerlich. Denn innerlich sieht es ganz anders aus, da ist keine Ruhe, da tobt ein regelrechter Wortsturm. Gedanken, die sich überschlagen, spitze Bemerkungen, vielleicht sogar richtige Beschimpfungen, die ich aber für mich behalte. Der Wunsch, miteinander ins Gespräch zu kommen oder Lösungen zu finden, wird damit auf jeden Fall nicht leichter. Und obwohl so viele Worte im Raum sind, verstummt die Kommunikation.
Die „Aber-Geister“
Diese Erfahrung ist übrigens nicht neu: Von Jesus erzählt man sich, dass er einmal einen Stummen geheilt hat, von dem es hieß, dass er von einem Dämon besessen war. Heute tun wir uns mit diesem Begriff schwer. Aber ich finde die Deutung hilfreich, dass Dämonen die sogenannten Aber-Geister sind: innere Stimmen, die sich immer dann melden und so laut sind, dass sie unsere Stimme zum Schweigen bringen. Aber-Geister, die sagen: „Aber die anderen sind besser als ich und liebenswerter!“; „Aber meine Worte kommen bestimmt nicht gut an!“ oder „Aber wen interessiert überhaupt, was ich denke?“.
Von Jesus lernen: Heilung für Sprachlosigkeit
Stimmen können unglaublich laut sein. So laut, dass sie unsere eigene Stimme übertönen. Und dann wird es schwer mit der Kommunikation. Nicht nur im Blick auf andere Menschen – sondern vor allem in der Beziehung zu mir selbst. Denn wenn ich mir selbst nicht traue, wenn ich mich innerlich klein mache, dann wird es auch nach außen hin schwierig, mich mitzuteilen.
Kommunikation neu denken: Warum weniger „Aber“ mehr Verbindung schafft
Bestimmt würde es uns persönlich und auch unserer Gesellschaft guttun, wenn wir uns gegenseitig helfen unsere eigene Stimme wiederzufinden. Ein Rezept dafür habe ich nicht, aber vielleicht beginnt es im Kleinen: Vielleicht damit, dass wir uns selbst erlauben, nicht immer sofort zu allem eine Meinung haben zu müssen. Und vielleicht auch damit, dass wir unserem Gegenüber diesen Raum geben. Dass wir zuhören. Wirklich zuhören. Und das, was der andere sagt, auch einmal stehen lassen können, ohne dass ich mein „Aber“ daran hänge. In meiner Vorstellung eröffnet sich dann ein Raum, in dem Kommunikation möglich wird. Kommunikation kommt nämlich vom lateinischen communicare und heißt „teilen“, „gemeinsam machen“. Ein guter Gedanke für heute.