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Flicker, Steffen

Eine Sendung von
Steffen Flicker,
Schulleiter der katholischen Schule Marianum Fulda und Vorsitzender des Katholikenrates im Bistum Fulda

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Ein belebter Boulevard führt zum Brandenburger Tor, umgeben von Bäumen und flanierenden Menschen. In der Ferne ist eine zentrale rote Pagode zu sehen, die als Treffpunkt dient. Die Szene strahlt lebendige Aktivität und Geselligkeit aus.

Was unser Land zusammenhält

Heute, am Tag der Deutschen Einheit, wird sie wieder vielerorts gesungen: unsere Nationalhymne. „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland. Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand."

Bei Gedenkfeiern und Festakten erklingt dieses Lied. Oft folgt die Europahymne „Freude, schöner Götterfunke". Meist wird nur die Melodie von Ludwig van Beethoven instrumental gespielt.

Schillers „Ode an die Freude" und die große Weltenuhr

Den Text schrieb Friedrich Schiller. Es ist sein berühmtes Gedicht „Ode an die Freude". Darin heißt es: „Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur. Freude, Freude treibt die Räder in der großen Weltenuhr."

Eine schöne Metapher, die gut zum heutigen Tag passt: Das Uhrwerk, das für unsere Welt steht, wird angetrieben durch die Freude. 36 Jahre deutsche Einheit: Mauerfall und Wiedervereinigung. Vor 36 Jahren wurde Deutschland wiedervereinigt. Der friedliche Protest so vieler Menschen in Ostdeutschland hat Mauer und Stacheldraht zu Fall gebracht.

Der Mauerfall am 9. November 1989 war ein Tag der Freude für unser ganzes Land. Wenn wir heute den Tag der Deutschen Einheit begehen, können wir dankbar auf diesen Tag und auf die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 zurückschauen.

Ost, West und das Miteinander

Dankbar und mit Freude. Aber oft ist im Alltag nicht viel von dieser Freude zu spüren. Da ist noch immer die Rede von Ost und West. Zu wenig Verständigung untereinander, zu wenig Verständnis füreinander, zu wenig Miteinander.

Schiller schreibt von der Freude, die die Räder der großen Weltenuhr antreibt. Bei näherer Betrachtung gibt es viele Anlässe zur Freude, wenn wir auf 36 Jahre deutsche Einheit zurückschauen. Diese Perspektive ist wichtig – bei allen gesellschaftlichen und politischen Problemen im Zusammenleben.

Die Weltenuhr weiterdenken: Freude als Antrieb

Wir dürfen freudig und dankbar sein: dafür, dass wir in einem geeinten Land leben – und das in Freiheit. Als Christ bin ich dankbar, dass Gott meine Wege leitet. Ich glaube daran, dass er Menschen zusammenbringen kann. Menschen können viel voneinander lernen und sich gemeinsam auf den Weg machen. Immer wieder mache ich die Erfahrung: Herausforderungen lassen sich besser meistern, wenn sie mit vereinten Kräften angegangen werden.

Mit vereinten Kräften. Darauf sollten wir uns immer wieder neu besinnen. Gerade an diesem Tag der Deutschen Einheit. Und darauf, dass Gott all unsere Wege mitgeht und uns nie allein lässt. Auch in schweren Stunden. Auch auf Wegstrecken, die anstrengend sein können. Ich denke heute an die große Weltenuhr, von der Schiller schreibt. Und an die Freude, die die Räder dieser Uhr antreibt. 

So wünsche ich uns allen ein frohes Fest – heute am Tag der Deutschen Einheit.