Staunen können
Als mein Sohn zwei Jahre alt war, verbrachten wir unseren Sommerurlaub an der Adria. Voller Faszination saß er am ersten Abend damals auf seinem Bobby-Car und schaute von der Terrasse unserer Ferienwohnung auf das schier endlose Meer. Er staunte, wie groß das Meer ist und erzählte uns von seinen Eindrücken: „Papa, das Meer ist sooo groß und sooo blau!" Er kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.
Als mein Sohn das Meer entdeckte: Eine unvergessliche Geschichte
Am nächsten Morgen rannte er schon früh auf die Terrasse und kam freudestrahlend zu uns zurück. Ich werde seinen Ausruf nicht vergessen: „Mama, Papa, das Meer ist noch drin!" „Das Meer ist noch drin!" - Diese Feststellung war ihm wichtig. Vielleicht hatte er sich vorgestellt, dass alles, was er am Tag zuvor gesehen und bewundert hatte, heute nicht mehr vorhanden war. Und jetzt konnte er erleichtert und freudig feststellen: „Das Meer ist noch drin!"
Es ist einfach wunderschön, eine solche kindliche Begeisterung mitzuerleben. Und ich frage mich: Warum verlieren Erwachsene offensichtlich das Staunen mit der Zeit? Wird alles irgendwann zur Selbstverständlichkeit? Gibt es nichts mehr, was mich ins Erstaunen versetzt? Liegt es daran, dass ich mir vermeintlich alles erklären kann?
Warum verlieren Erwachsen das Staunen?
Eigentlich schade, dass das Staunen nachlässt, wenn wir älter werden. Denn im Staunen liegt eine solch positive Kraft. Ich nehme die Schönheit dieser Welt wahr. Ich bin begeistert von dem, was sich meinen Augen zeigt. Ich gerate ins Schwärmen.
"Wie sind Deine Werke so groß und viel", heißt es in einem Psalm. Auch hier wird das Staunen über die Schönheit der Schöpfung deutlich. Als Christ glaube ich, dass Gott alles, was zur Erde gehört, ins Dasein gerufen hat. Ich kann mich darüber erfreuen.
Staunen als Kraftquelle
Ist es naiv, wenn ich mich über die Natur freue? Wenn ich staune, wie schön sie ist? Ist es einfach nur Kitsch, einen Sonnenaufgang oder einen Sonnenuntergang gebannt zu verfolgen? Ich finde das nicht. Ich blende ja dabei nicht aus, dass es auch Furchtbares und Schreckliches auf der Welt gibt. Ja, das ist so. Und jeden Tag nehme ich davon in den Nachrichten Notiz. Aber gerade deswegen tut es gut, den Blick für das Schöne nicht zu verlieren.
Den Blick für das Schöne bewahren
Für uns Menschen ist es wichtig, dass wir auch positive Energie schöpfen. Dass wir uns auch ausrichten können auf die Wunder dieser Erde. Und nicht nur ausrichten, sondern uns auch davon aufrichten lassen. Wenn ich am Wochenende entspannt durch die Natur gehe, dann fällt mir immer wieder auf, dass es sehr viel Schönes in unserer Welt gibt. Das baut mich auf – auch wenn es sicherlich nicht mit dem Staunen eines Kindes vergleichbar ist. Aber der Blick auf die kleinen Wunder im Leben schenkt mir eine positive Kraft.
Vielleicht gelingt mir das auch am heutigen Tag.