hr2 ZUSPRUCH
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Lungershausen, Dr. Christine

Eine Sendung von
Dr. Christine Lungershausen,
Evangelische Pfarrerin, Eschborn

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Eine Person mit Kopfhörern tanzt fröhlich und saugt den Boden in einem modernen Wohnzimmer. Im Hintergrund steht ein fernseher und verschiedene Pflanzen sind im Raum verteilt. Die Atmosphäre ist lebhaft und freundlich.

Solches tut zu meinem Gedächtnis

Musik weckt bei mir besondere Erinnerungen: An Konzerte hat mich mein Patenonkel Leo herangeführt, als ich 15 war. Er hat mich das erste Mal in ein klassisches Konzert mitgenommen. Das war eine neue Welt für mich. Ich hatte Gänsehaut.

Eine Erinnerung, die stark bleibt

Daran erinnere ich mich noch heute, wenn ich Musik höre. An die Gänsehaut und an meinen Patenonkel Leo. Andere Erinnerungen habe ich gar nicht selbst erlebt – aber oft gehört. So wie die von meiner Schwiegermutter.

Putzen und an die Schwiegermutter erinnern

An sie denke ich beim Putzen: Ich nehme den Wischlappen und wringe ihn aus. Ziemlich schmutzig. Mein Mann hat oft erzählt: Seine Mutter führte einen lebenslangen Kampf gegen den Staub. Kein Staubkorn war sicher vor ihr. Nicht einmal in der hintersten Ecke. Während ich wische, denke ich daran. Dabei kenne ich meine Schwiegermutter gar nicht persönlich. Sie ist gestorben, bevor ihr Sohn und ich uns kennenlernten. Aber ihr Andenken ehre ich beim Staubwischen.

Eine Verbindung über Generationen

Etwas zu tun, was sie auch oft und gerne getan hat – das verbindet mich mit ihr. Etwas Ähnliches erlebe ich auch sonntags im Gottesdienst, wenn wir Abendmahl feiern. Da sagt die Pfarrerin Worte von Jesus, nämlich: „Solches tut zu meinem Gedächtnis.“

Mit Freunden essen und guten Wein trinken

Jesus hat zu Lebzeiten viel gefeiert. Er hat mit Freunden gegessen und guten Wein getrunken. Dazu hat er Menschen eingeladen, die sonst nicht dazugehörten: Außenseiter, Kranke, Zöllner und Prostituierte. Kurz bevor Jesus starb, trug er das seinen Jüngerinnen und Jüngern auf: macht das weiter. Esst, trinkt, ladet die ein, die nicht dazugehören. Erinnert euch an mich. Teilt miteinander das Essen - zu meinem Gedächtnis.

Handeln und Erinnern verbinden

Ich glaube, das gibt es oft: Wir tun etwas und erinnern uns dabei an Menschen vor uns. Und diese Erinnerung verändert etwas – jetzt, heute. Ich fühle mich verbunden mit den Menschen von damals. Ich merke: was ich tue, wer ich bin: Das hat eine Geschichte. Ich wische nicht nur Staub, damit die Wohnung sauberer ist. Ich ehre damit auch das Andenken an meine Schwiegermutter.

Was nehme ich mir vor? Offen sein für andere

Meine Lebensgeschichte ist verbunden mit ihrer. Wenn ich Musik höre, denke ich an meinen Patenonkel. Meine Leben ist reicher durch ihn. Er prägt mich bis heute. Und das Abendmahl reicht sogar noch weiter: Ich denke dabei nicht nur an Jesus. Ich nehme mir auch vor, was er getan hat. Offen sein für andere. Das Erinnern – für heute.