hr2 ZUSPRUCH
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Lungershausen, Dr. Christine

Eine Sendung von

Evangelische Pfarrerin, Eschborn

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Eine Frau mit langen, lockigen Haaren trägt eine blaue Mütze und einen beigen Mantel. Sie hält einen lila Herzluftballon in der Hand und blickt sanft nach oben. Im Hintergrund sind unscharfe Bäume und eine Brücke zu sehen.

Sei behütet

Ich erinnere mich: vor 6 Jahren - Corona: Damals haben wir uns am Ende eines Gesprächs gewünscht: „Bleib gesund“. Damals stand klar vor Augen, was krank werden heißen kann. Und was für ein Geschenk es ist, gesund zu sein. 

Corona-Wunsch: „Bleib gesund“ oder „Sei behütet“?

Trotzdem bin ich schon damals über diesen Wunsch gestolpert. Er klingt für mich eher wie eine Aufforderung: „Bleib gesund!“ Ich höre darin fast die Drohung: „Bleib gesund! Und wehe, wenn du es nicht tust!“ Wie absurd. Es liegt ja nicht in meiner Hand. Umso mehr hat mich der Gruß eines Kollegen gefreut. Er hat damals unter eine eMail geschrieben: „Sei behütet!“ Dieser Wunsch ist mir geblieben. Die Pandemie ist zum Glück längst überstanden. Aber den Wunsch verwende ich weiterhin. Seitdem schreibe ich das auch am Ende von Mails oder sage auch manchmal am Ende eines Telefonats: „Seien Sie behütet."

Schutz wie ein Hut: Gutes rein, Böses abperlen

Gut behütet sein – ich mag diese Vorstellung. Ein Hut schützt vor Regen, er ist praktisch bei zu heißer Sonne oder auch zugigem Wind. Und im übertragenen Sinn ist das doch auch schön: Ein Hut, der Böses von einem abhält. Es tropft einfach ab. Wie Regen rinnt das, was mir schadet, an mir vorbei. Deswegen mag ich den alten Wunsch: „Sei behütet“ Er meint: Möge Dir Gutes widerfahren. Möge das Schlechte abgehalten werden wie der tropfende Regen durch einen schützenden Hut.

Zwei Seiten einer Medaille

Und mehr noch. Einmal habe ich mich von einer Dame verabschiedet mit diesen Worten. Sie erwiderte darauf: „Ja, behütet sein. Und: Behutsam sein, das ist wichtig! Ich will nicht auf der Hut sein vor anderen, sondern ich wünsche mir mehr Behutsamkeit!“ Mich hat das berührt. Daran hatte ich gar nicht noch gedacht: Es ist gut, sich behütet und geschützt zu wissen. Aber ich kann auch selbst etwas dazu tun: Ich kann behutsam umgehen mit den Menschen um mich herum. Meine Kollegin ist behutsam mit mir. Sie hat oft im Blick, dass ich zu viel arbeite und dabei die Pausen vergesse. Manchmal unterbricht sie unser Arbeiten und sagt: „Komm, wir lüften uns mal kurz durch."

Gott als Schatten über dir

Trotzdem hängt nicht alles von mir ab. Ich glaube fest: Gott behütet. In der Bibel lese ich: „Der Herr behütet dich. Er ist der Schatten über dir, dass dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts.“ Das bedeutet nicht, dass mir nichts Schlechtes mehr passiert. Aber ich kann es besser ertragen. Ich fühle mich geborgen und gehalten. Auch wenn eine Pandemie die Welt still stehen lässt oder es nicht mehr reicht, mich mal kurz auszulüften: Gott behütet mich. Ich bin nicht allein. Gott bleibt da. Dieses vertrauensvolle Gefühl wünsche ich mir und anderen: geborgen und geschützt zu sein. Also: Sei behütet!