hr2 ZUSPRUCH
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Wöllenstein, Helmut

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer, Marburg

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Neue Jeans

Ich gehe beschwingt aus dem Kaufhaus. Endlich die richtige Jeans gefunden, meine Marke. Die gibt es nicht überall. Sie sitzt perfekt. Ich habe sie gleich anbehalten. Ich gehe nicht oft shoppen. Aber das musste jetzt sein, auch wenn das Teil über 130 Euro kostet. Ist O.K. 

Fair Trade Jeans contra Discounter Ware

Sie ist schließlich aus fair trade Baumwolle. Die Bauern und Näherinnen wurden gut bezahlt. Das fühlt sich noch besser an. Nicht immer kaufe ich so teuer und nachhaltig, das muss ich zugeben. Neulich gab es im Discounter Thermojeans für 9,99 €. Da habe ich gleich zugegriffen, eine Hose für die Gartenarbeit.

Billigklamotten sollte man nicht kaufen

Aber ich will nicht wissen, was die Leute bekommen, die sie herstellen und um die halbe Welt transportieren. Da meldet sich mein Gewissen. Ich denke: Solche Hosen darf man eigentlich nicht kaufen. Oder den Verkauf sogar verbieten. Oder der Staat müsste Steuern draufschlagen für die Entwicklungshilfe. 

Fast Fashion: Vielfalt, Trends und Folgen für Umwelt und Gesellschaft

Viele Menschen kaufen oft neue Sachen, manche sogar oft sehr billige neue Sachen. Im Radio habe ich gehört, dass eine Firma 40 Kollektionen im Jahr rausbringt. Fast Fashion. Heute kurze Hosenbeine, morgen lange, bis zum Boden. Heute ganz eng, morgen weit. Mal dezent, dann in kräftigen Farben. Vielen Leuten macht es Spaß nach der Mode zu gehen, sich selbst immer neu zu entdecken in neuen Outfits. Passend zur Jahreszeit, zum Gefühl, zur Situation. Schlicht oder edel, sportlich oder für den Auftritt bei einer Feier oder im Beruf. Auf jeden Fall gut rüberkommen und nicht altbacken aussehen. Es soll einfach immer stimmen.

Wegwerfmode und Recycling-Dilemma: Von Afrika bis zum Plastik im Meer

Nur die Mengen stimmen bei uns heute überhaupt nicht mehr. Und das Material auch nicht. Vieles in der Fast Fashion ist Mischgewebe, lässt sich nicht recyclen. Wohin damit, nach ein - zwei Jahren? In den Secondhandladen? Dann in den Restmüll, in den gelben Sack oder in die Altkleidersammlung? Bisher landete ganz viel in Afrika, zum Beispiel in Ghana. Dort stapeln sich die Berge an den Küsten. Das Mikroplastik der synthetischen Fasern verseucht die Meere für eine Ewigkeit. 

Der christliche Glaube kennt keine Kleidervorschriften

Der christliche Glaube kennt keine Kleidervorschriften. Die Menschen haben sich immer an ihrer Zeit orientiert. Zum Glück möchte ich sagen. Und doch fällt mir ein Bibelwort ein. Gott will uns kleiden mit „dem Mantel der Gerechtigkeit“.  Das hört sich gut an. 

Der Mantel der Gerechtigkeit als Orientierung

Aber was könnte das heißen, sich kleiden in Gerechtigkeit? Vielleicht mache ich es einfach wieder so wie früher: Ich kaufe keine neue Jeans für den Garten, sondern nehme die alte. Und die neue lasse ich „für gut“ und achte darauf, dass sie unter fairen Bedingungen hergestellt wurde.