hr2 ZUSPRUCH
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Eine Frau mit langen, dunklen Haaren lächelt in die Kamera. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt und eine graue Jacke. Der Hintergrund ist neutral und hellgrau. Die Aufnahme wirkt freundlich und professionell.

Eine Sendung von
Kathrin Landwehr-Martin,
Regionaljugendreferentin Katholisches Jugendbüro Oberhessen, Alsfeld

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Ein blauer Himmel mit Wolken

Mein Onkel kann fliegen

Ich habe drei Onkel. Einer davon hat, als ich noch ein Kind war, immer gesagt, dass er fliegen kann. Wie ein Vogel. Wenn er nur fest daran glaubt. 

Kann er wirklich fliegen?

Die Vorstellung, dass mein Onkel mit weit ausgestreckten Armen zu einem Familienfest hin und wieder zurückfliegt, fand ich als Kind immer ganz toll! Doch leider ist es nie passiert. 

Zu jedem Geburtstag oder Familienfest kam mein Onkel mit dem Bus. Oder wir mussten ihn mit dem Auto abholen und ihn spät abends wieder nach Hause bringen. Das war schon etwas enttäuschend. 

Die Illusion war geplatzt

Als wir Kinder ein bisschen größer waren, haben wir verstanden, dass mein Onkel wirklich nicht fliegen kann! Und er hat es irgendwann auch zugegeben. Unser Körper und unsere Knochen sind zu schwer! 

Wir haben keinen stromlinienförmigen Körperbau und keine glatten Oberflächen. Und unsere Brustmuskeln sind zu schwach für den Auftrieb. Menschen sind an die Erde gebunden! Und das ist doch eigentlich auch ganz schön!

"Glaube versetzt Berge"

Mit seiner Behauptung, dass er fliegen kann, wenn er nur fest daran glaubt, wollte mir mein Onkel wahrscheinlich was ganz anderes mit auf den Weg geben. Die Lebenshaltung “Glaube versetzt Berge“. Einer meiner Lieblingsverse in der Bibel drückt es ähnlich aus: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ (Psalm 18, Vers 30 Einheitsübersetzung).

Ich habe in meinem Leben auch schon die Erfahrung gemacht, dass etwas, das mir vorher unmöglich erschien, plötzlich möglich war. Und zwar nur, weil ich nicht aufgegeben und fest daran geglaubt habe. Und weil ich mich von äußeren Umständen und Meinungen nicht habe beirren lassen. 

Beispielsweise als ich an der Uni für mein Theologie-Studium Latein, Hebräisch und Griechisch neu lernen musste. Oder als es in einer Beziehung wieder bergauf ging, obwohl alle Zeichen auf Rot standen. 

Für mich war sehr prägend, als ein naher Verwandter nach einer schweren Krankheit gesund wurde, obwohl der Arzt ihm nur noch drei Monate zu leben gegeben hatte.

Was der Glaube an Gott für mich heißt

Daran zu glauben, dass mit Gott alles möglich ist, heißt für mich im Alltag konkret: 

Ich richte mich innerlich nach oben aus, nach Gott. Ich vertraue Gott im Gebet das an, was mich belastet. Und bitte um Kraft. 

Ich höre hin, welchen Weg Gott mir zeigen möchte. Dabei kann es auch sein, dass er mich auf ungewöhnliche Wege führen will. 

Wenn ich den Kopf hängen lasse und innerlich zusammensacke, geht erst recht nichts mehr. Ich brauche die Verbindung zu Gott. 

Und: Ich freue mich über kleine Wunder, die auf jeden Fall möglich sind.

Wenn ich mit dieser Haltung durch’s Leben gehe, wachsen mir vielleicht keine Flügel – aber: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern!