Immer noch österlich!
An einen Haselstrauch vor dem Haus haben wir bunte Ostereier gehängt. Schön schaut das aus, macht direkt gute Laune. Meine Mutter meinte vor kurzem: „Wollen wir die nicht mal abhängen, sonst meint noch jemand, wir hätten nicht gemerkt, dass Ostern vorbei ist?“
Wir haben uns dann darauf geeinigt: Eine Woche dürfen sie noch hängen bleiben. Tatsächlich ist gefühlt Ostern schon wieder eine Weile vorbei. Nur hin und wieder sieht man im Supermarkt noch ein paar übrig gebliebene Schokohasen zum halben Preis. Kirchlich ist das anders, da geht die österliche Zeit offiziell bis Pfingsten, oder naja, inhaltlich doch zumindest bis Christi Himmelfahrt.
Es braucht Zeit, zu verstehen, dass er auferstanden ist
Mir gefällt diese Vorstellung: Da hat Jesus, bevor er in den Himmel verschwunden ist, nach und nach die meisten seiner Freundinnen und Freunde nochmal getroffen. Und erst als wohl alle verstanden und die meisten auch gesehen haben: Er ist nicht im Tod geblieben, sondern auferstanden! Da entschwindet er in Richtung Himmel.
Wieso mich das anspricht? Weil es ja nicht leicht ist, an die Auferstehung von den Toten zu glauben und auch nicht, die Konsequenzen für unser eigenes Leben zu verstehen – und weil die Freundinnen und Freunde Jesu damals Zeit brauchten – und ich und vielleicht andere auch.
Warum erkennen die Freunde Jesu ihn nicht sofort wieder?
Oft frage ich mich: Wieso erkennen die engen Vertrauten, die doch vorher so viel Zeit mit Jesus verbracht haben, ihn nach der Auferstehung nicht sofort wieder? Wieso hält Maria von Magdala, so erzählt es die Bibel, Jesus erstmal für einen Gärtner und erkennt ihn erst, als er sie bei ihrem Namen anspricht, so vertraut wie immer (Joh 20,14-16). Ok, es heißt, sie sei tränenblind gewesen.
Oder die beiden Freunde von Jesus, die nur weg wollten von Jerusalem, diesem Ort des Schreckens und unterwegs waren nach Emmaus. Als der auferstandene Jesus zu ihnen stößt, reden sie den ganzen Weg lang mit ihm, erzählen ihm, was sie so beschäftigt und hören dann ihm zu. Aber erst als sie in Emmaus ankommen, erkennen sie beim gemeinsamen Mahl, wer da die ganze Zeit mit ihnen unterwegs war: Jesus selbst (Lk 24,13-32). Und im Nachhinein sagen sie: „Brannte uns nicht das Herz?“ (Lk 24,32)
In anderen Begegnungen nach der Auferstehung Jesu ist das ähnlich: die Freunde und Freundinnen fremdeln mit dem Auferstandenen. Weil es einfach nicht möglich ist? Weil sie so traurig sind, ihr Herz gefangen? Weil Jesus selbst anders ist als vorher?
Der “ungläubige” Thomas stellt die Frage, die ich mir auch stelle
Ich freue mich immer über den Thomas, der manchmal „der Ungläubige“ genannt wird. Er fragt noch mal nach, will Jesus sehen und am liebsten anfassen (Joh 20,25). Ich habe da immer das Gefühl, Thomas fragt für mich mit. Der Tod hat nicht das letzte Wort, das ist die Botschaft der Auferstehung. Diese Hoffnung rückt mir, wenn ich sehe, was in der Welt passiert, manchmal in die Ferne.
Und dann bin ich froh, dass in der Kirche die Osterzeit mit ihren Liedern und den Auferstehungserfahrungen noch etwas andauert.