hr2 ZUSPRUCH
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Groß, Uwe

Eine Sendung von

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden

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Der Himmel ist klar und blau, durchzogen von verschiedenen Wolkenformen. Einige Wolken bilden markante, geflügelte Gestalten, die an Tiere oder Menschen erinnern. Die insgesamt helle und freundliche Atmosphäre strahlt Ruhe aus.

Im Rhythmus des Jahres leben

Schon wieder ist der erste Monat des neuen Jahres um und die erste Woche im Februar. Jetzt kommt die Fastnachtszeit, dann die Fastenzeit, Ostern, Pfingsten, die Sommerferien, Erntedank, Sankt Martin, Advent, Weihnachten. Und dann fängt das Ganze wieder von vorne an. Mir wird manchmal sehr bewusst, wie sehr sich mein Jahr in einem immer wiederkehrenden gleichen Rhythmus vollzieht. Und mir wird klar, wie sehr mein Zeitverständnis durch das Christentum geprägt ist. 

Die christlichen Feste sind mein Gerüst für die Planung des Jahres

Wir schreiben das Jahr 2026 nach Christus, unser Kalender orientiert sich noch immer am gregorianischen Kalender von 1582. Papst Gregor hat die Zeit damals an die noch bis heute geltenden astronomischen Gesetze angepasst. Ein Jahr hat 365 Tage und einen Vierteltag. Darum haben wir alle vier Jahre ein Schaltjahr. Die Kirchenglocken in meinem Wohnort läuten dreimal am Tag, morgens um 7, mittags um zwölf und abends um 19 Uhr. Für mich bilden die großen christlichen Feste das Gerüst für die Planung des Jahres, selbst Tage wie Dreikönig, Aschermittwoch, Karfreitag, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, Allerheiligen oder Nikolaus und Silvester sind Meilensteine in meinem Kalender.

Dieser Rhythmus ist verlässlich und entlastet mich

So wie Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter sich wiederholen, so vollzieht sich auch das Jahr in einer ständigen Wiederkehr der gleichen Feste und Gedenktage. Dieser Rhythmus der Natur und der Feste ist verlässlich und gibt meinem Leben auch einen festen Rhythmus. Rhythmus hat für mich etwas Entlastendes. Ich tappe nicht im Dunkeln, wie es weitergeht, sondern ich weiß: Mein Leben bewegt sich in einem rhythmischen Kreislauf, ohne dass ich im Kreis laufe. Denn jedes Jahr wird doch ein anderes Jahr, ist geprägt von anderen schönen und traurigen Dingen. Auch wenn Weihnachten, Ostern und die Sommerferien immer wieder kommen, sind sie doch immer auch anders. Das erste Weihnachten ohne meine Mutter vor vier Jahren war ein anderes Weihnachten als all die Jahre zuvor.

In diesem Rhythmus bewege ich mich auf das Ziel hin

Das macht mir klar: Auch wenn ich in einem Jahresrhythmus lebe, bleiben die Dinge nicht, wie sie sind. Ich bewege mich auf ein Ziel zu. Für mich ist dieses Ziel der Himmel bei Gott. Wie auch immer er aussehen mag. Ich vertraue den jahrtausendealten Bildern der Bibel, die davon erzählen: Der Himmel ist ein Ort, an dem es keine Schmerzen, keine Trauer und keinen Tod mehr gibt (vgl. Offenbarung 21,4). Der Himmel wird in der Bibel mit einer goldenen Stadt (vgl. Offenbarung 21) verglichen, in der Menschen ewig im Angesicht Gottes in Frieden (vgl. Johannes 3,16) leben. Ich finde beides gut: den Rhythmus der Dinge, die alljährlich immer wiederkehren. Und dieses Ziel am Ende aller Jahresläufe, auf das ich hoffe und hinlebe.