Henri trägt ein Kleid
Henri ist ein Teenager, der schon einiges durchgemacht hat. Für mich steht er für Mut und Haltung. Und für das Vertrauen darauf: „So, wie ich bin, bin ich richtig und gewollt." Als Henri im Kindergartenalter ist, trägt er plötzlich gern Kleider. Nicht jeden Tag, aber immer mal wieder. Meine Freundin, seine Mutter, lässt ihn gewähren.
Kinder sollen sich ausprobieren dürfen
Ist doch gut, wenn Kinder sich ausprobieren und ihren eigenen Stil finden. Henri will kein Mädchen sein, aber er findet Kleider schick. Auch die Kinder um ihn herum gewöhnen sich bald daran. Dann kommt Henri in die Grundschule. Am Einschulungstag trägt Henri auch ein Kleid. Seine Mutter hatte vorher mit ihm darüber gesprochen und ihm auch vorsichtig klar gemacht: „Nicht alle finden Jungen in Kleidern selbstverständlich."
Henri spürt: Das gehört zu mir
Aber Henri besteht auf dem Kleid. Er spürt: Das gehört zu mir. Es kommt, wie es kommen muss. Einige Jungen aus der dritten Klasse machen sich lautstark über ihn lustig. Henri ist enttäuscht und traurig und wütend. Seine Mutter fragt ihn am Nachmittag: „Und was jetzt? Willst du vielleicht kein Kleid mehr tragen?" „Doch", murmelt Henri.
Henri will mit in die Schule kommen
„Aber du sollst morgen mit in die Schule kommen, wenn ich mit denen rede."
Am nächsten Tag nimmt Henri seinen ganzen Mut zusammen und marschiert kurz vor Schulbeginn in das Klassenzimmer der dritten Klasse. Natürlich trägt er wieder ein Kleid. Und er stellt sich vor die Jungen hin, die ihn fertig gemacht haben, und erklärt laut: „Jedes Mädchen darf eine Hose tragen.
Jeder Junge hat das Recht auf ein Kleid
Jeder Junge hat das Recht, ein Kleid zu tragen. Ihr habt mich deshalb ausgelacht, weil ich ein Kleid trage. Das ist blöd von euch und hat mich traurig gemacht. Ich will eine Entschuldigung." Die Drittklässler sind für einen Moment sprachlos und entschuldigen sich dann tatsächlich. Henri akzeptiert das, dreht sich um und marschiert aus dem Klassenzimmer.
Die Drittklässler lassen ihn in Ruhe
Die Drittklässler lassen ihn ab diesem Zeitpunkt in Ruhe. Was für ein Mut! Henri hat sich getraut, seine Meinung zu sagen. Er hat sich getraut, von seinen Gefühlen zu sprechen. Er hat seinen Gegnern fest in die Augen geschaut.
Urvertrauen und Gottvertrauen von der Mutter
Bestimmt liegt das auch an dem Urvertrauen und Gottvertrauen, das seine Mutter ihm mitgegeben hat, - und andere Menschen, die ihn begleiten. Ja Sie vermitteln ihm das Gefühl, gewollt und geliebt zu sein. Ich bin richtig, wie ich bin. Dieses Wissen ist nicht selbstverständlich. Gut, wenn mir das jemand zuspricht.
Das Gefühl von Segen
Das ist das Gefühl von Segen – eine Stimme, die zu dir sagt: „So, wie du bist, hat Gott dich gemacht. Das sollst du spüren, jeden Tag." Ich wünsche mir, dass jeder Mensch diesen Segen spürt und in sich trägt. Ein Segen, der stark macht und frei.
Kraft, für sich selbst einzustehen
Er gibt Menschen die Kraft, für das einzustehen, was zu ihnen gehört. Er hilft, auch gegen Widerstand das eigene Leben zu leben. Authentisch und ohne falsche Scham. Henri ist jetzt übrigens 13 Jahre alt und trägt keine Kleider mehr. Weil er es so will, nicht weil andere das für ihn entschieden haben.