Heiliger der Jahresmitte
An einigen Orten ist heute fast so etwas wie Weihnachten im Sommer. An manchen Orten in Hessen ist das der Fall, etwa in Eschwege oder in Lorsch. Rund um den 24. Juni finden dort die Johannisfeste statt, große, fröhliche Volksfeste, mitten im Sommer. Benannt sind sie nach Johannes dem Täufer, dem Heiligen, dessen Gedenktag heute in den Kirchen begangen wird.
Auch Jesus lief sich von ihm taufen
Fröhliche, sommerliche Volksfeste – eigentlich passt das gar nicht so recht zu Johannes. Er ist eher eine sperrige und schroffe Figur. Die Evangelien erzählen von ihm als dem Wegbereiter, der ankündigt, dass Jesus, der Messias und Erlöser kommen wird. Schon seine eigene Geburt ist ungewöhnlich, denn seine Mutter Elisabet konnte keine Kinder bekommen. Im hohen Alter werden sie und ihr Mann aber überraschend doch noch Eltern. Als Erwachsener zieht sich Johannes in die Wüste zurück, lebt ein enthaltsames Leben, ernährt sich nur von Heuschrecken und wildem Honig. Er ruft zu Umkehr und Buße auf und tauft mit Wasser als Zeichen des Neuanfangs. Auch Jesus ließ sich von ihm taufen. Johannes offene, mahnende Worte haben ihn am Ende das Leben gekostet. Er wird grausam ermordet.
Also muss das Fest von ihm im Juni sein
Die biblischen Texte, die von Johannes erzählen, werden vor allem in den Gottesdiensten vor Weihnachten, im Advent gelesen, eben weil Johannes auf Jesus hinweist. Dass sein Geburtsfest im Sommer gefeiert wird, hat auch mit seiner Verwandtschaft mit Jesus zu tun: Die Bibel erzählt: Die Mütter sind Cousinen, und Elisabet ist mit Johannes im sechsten Monat schwanger, als Maria die Geburt von Jesus angekündigt wird. Weihnachten, die Geburt Jesu, feiern wir ja am 25. Dezember, also muss das Fest von Johannes im Juni sein.
Welche Aufgaben liegen vor mir?
Das Fest des Johannes fällt damit in den Sommer, in die Mitte des Jahres. Zur Leichtigkeit des Sommers passt Johannes vielleicht nicht unbedingt, aber ich finde: Er passt sehr gut in die Jahresmitte. Er ist ein Mahner, er ruft auf zu Besinnung, zu Umkehr, zum Neuanfang. Die erste Jahreshälfte ist fast vorbei. Für mich ist das der Moment, kurz innezuhalten, mir Zeit zu nehmen und zurückzuschauen: Was ist schon passiert in diesem Jahr? Bin ich noch in der Spur? Oder läuft etwas in meinem Leben in eine Richtung, in die ich gar nicht will? Und ich schaue auch nach vorne, auf die zweite Jahreshälfte: Was kommt auf mich zu? Welche Aufgaben liegen vor mir? Will ich etwas verändern, anders machen? Johannes macht mir dabei Mut. Er kündigt an: Der Erlöser kommt. In der Jahresmitte erinnert mich Johannes daran: Ich darf vertrauen – Jesus kommt, auch für mich, in mein Leben, in diesem Jahr.