Gottes Schmerzgrenze
„Bei meiner Französischlehrerin, da hätte selbst der liebe Gott eine Schmerzgrenze“.
Worte, die bleiben: Wie ein „hoffnungsloser Fall“ die Seele trifft
Paul, der bei mir ein Praktikum macht, grinst gequält. Paul hat jahrelang unter seiner Lehrerin gelitten. „Du bist ein hoffnungsloser Fall“, das sagte sie immer wieder, wenn Paul französische Worte falsch betonte oder falsch aussprach, „du lernst das nie“. Paul hat es irgendwann selbst geglaubt und die Lust an Französisch verloren. Noch heute denkt er mit Wut an die Bemerkungen seiner ehemaligen Lehrerin.
Schule im Wandel: Weg vom Schulddenken – hin zur Frage „Was können wir ändern?“
Ja, Lehrende können Schaden anrichten, wenn sie ein Kind nicht wirklich sehen, und sich ein vorschnelles Urteil bilden. Wenn sie bei Jugendlichen, die nicht ins System passen, einen Schuldigen suchen: das Kind, die Eltern, die Handys. Warum nicht den Schuldgedanken beiseitelegen und sich mit der Zukunft befassen? Was können wir ändern, damit das hier für Dich besser passt?
Hat Gott eine Schmerzgrenze?
Pauls Satz geht mir nach „Da hätte selbst der liebe Gott eine Schmerzgrenze“ – Wir haben ja bald Karfreitag und erinnern uns, dass Gott eine hohe Schmerzgrenze bewies, wenn er in Jesus Christus Folter, Schmerzen und Todesangst ausgehalten hat. Sollte der Französischunterricht noch schlimmer sein als das?
Im Humor steckt auch Schmerz
Paul weiß natürlich: Es ist ein sarkastischer Scherz. Dass Gott die Lehrerin nicht ertragen könnte, ist Quatsch. Viele Menschen erleben Schlimmeres und Gefährlicheres, als Paul in der Schule. Aber im Humor stecken auch Schmerz und eine ernste Frage: Wo liegt die Schmerzgrenze Gottes?
Gott hält das Leiden der Menschen aus
Gott hat sich entschieden, das Leben der Menschen zu teilen und das Leiden der Menschen auszuhalten. Das geschieht nicht erst am Kreuz, sondern von Anfang an. Gott teilt das Schicksal der Menschen aus Liebe zu uns, schon lange, bevor die Passionsgeschichte beginnt.
Was wir einander antun, lässt Er an sich ran. Er sieht und kann nachvollziehen, wenn uns etwas wehtut und wie weh es tut. Gott leidet, wenn wir leiden. Seine Schmerzgrenze hält das Verhalten der Französischlehrerin aus, zusammen mit Paul.
Gottes Begleitung als Kraftquelle im Alltag
Das sage ich Paul und sage ihm, dass ich überzeugt bin: Als Paul unter seiner Lehrerin gelitten hat, war Gott dabei. Und Gott wird immer wieder bei ihm sein, wann immer ihm etwas wehtut. Ich weiß nicht ob ihn das tröstet - aber mir gibt es Kraft, dass ich weiß: Gott ist unser Leiden nicht egal.
Gemeinschaft neu denken: Was kann ich tun, damit es für alle passt?
Er leidet nicht nur mit uns, sondern befähigt uns, etwas gegen Leiden zu tun. Er lädt uns ein, die Schuld hinter uns zu lassen, nach vorne zu schauen und zu fragen: Was kann ich dazu beitragen, dass unser Zusammensein für alle passt?
Happy End im Klassenzimmer: Wie gute Lehrkräfte Pauls Begabung entdeckten
Übrigens. Paul ist zum Glück auf andere Lehrkräfte getroffen, die ihn gefördert haben und ihm gezeigt haben, welche besonderen Gaben in ihm stecken. Und so macht er jetzt ein Praktikum bei mir!