Gestatten, Katharina von Siena, Kirchenlehrerin
Ich hatte in meiner Schulzeit einige für mich wichtige Lehrer und Lehrerinnen: meine erste Grundschullehrerin etwa, die mich ein bisschen aus meiner Schüchternheit gelockt hat, mein Lateinlehrer im Gymnasium, der mich begeistern konnte, eine Deutschlehrerin, die mit uns Projektarbeit gemacht hat, als das noch nicht üblich war wie heute, und dann mein Relilehrer in der Oberstufe: ohne den hätte ich vielleicht nicht Theologie studiert. Gute Lehrerinnen und Lehrer ermutigen zum Selberdenken, wecken die Lust, etwas zu verstehen, und hinterlassen Spuren.
Sie wirkte im 14. Jahrhundert, wurde erst 1970 als Kirchenlehrerin anerkannt
Auch in der Geschichte der Kirche gibt es solche prägende Gestalten – und manche werden auch so genannt: Kirchenlehrer und -lehrerinnen. Früher waren das ausschließlich Männer, so als könnten sich die Mächtigen der Kirche nicht vorstellen, auch von Frauen etwas zu lernen und Anstöße zu bekommen. Glücklicherweise hat sich das in den letzten gut 50 Jahren ein bisschen geändert. Inzwischen gibt es auch ein paar offiziell anerkannte Kirchenlehrerinnen. Eine davon hat heute ihren Festtag: Katharina von Siena. Die lebte zwar schon im 14. Jahrhundert, aber zur Kirchenlehrerin erkoren wurde sie erst 1970.
Sie hatte schon früh Visionen und ihren eigenen Kopf
Dabei war sie schon zu Lebzeiten eine bemerkenswerte Frau, eine, die die Geschicke der Kirche in ihrer Zeit entscheidend mitbestimmt hat. Sie hatte in einer Krisenzeit der Kirche Einfluss auf den Papst und hat mit ihren Interventionen den kirchlichen und weltlichen Frieden gefördert. Das alles wurde ihr nicht in die Wiege gelegt. Sie war das zweitjüngste von 25 Kindern einer verarmten Adelsfamilie; da war kein Geld da für Schule, schon gar nicht für ein Mädchen. Sie hatte ihren Glauben, ja, und früh schon Visionen - und sie hatte ihren eigenen Kopf. Sie liebte die Freiheit.
Dass der Papst ihren Rat suchte, ist ungewöhnlich für die damalige Zeit
Die Art der Frömmigkeit von Katharina oder auch, dass sie die Kreuzzüge befürwortet hat, ist uns heute fremd, da war sie einfach Kind ihrer Zeit. Aber dass sie als Frau zur gefragten Ratgeberin und Begleiterin in geistlichen wie weltlichen Angelegenheiten wurde und sogar der Papst selbst sie anfragt, das finde ich auch heute noch großartig.
Sie spricht öffentlich auch zu Politik und Gesellschaft
Katharina spricht als Frau in der Öffentlichkeit, was damals schon außergewöhnlich ist. Und sie hat nicht nur bei Themen des Glaubens oder der Kirche ihre Meinung vertreten, sondern auch wenn es um politische oder gesellschaftliche Angelegenheiten ging. Eine mutige, intelligente, theologisch bewanderte Frau, die über Briefe „mit Gott und der Welt“ kommuniziert hat. Um die 370 Briefe sind erhalten, viele mehr wird sie geschrieben haben.
Beeindruckend, was sie in ihrem doch kurzen Leben alles bewirkt hat
1376 reist Katharina nach Avignon und bringt den Papst dazu, aus dem Exil nach Rom zurück zu kehren. Auf seinen Wunsch hin zieht auch sie um nach Rom und setzt sich dort für die Einheit der Kirche und für Friedenslösungen in Italien ein. Katharina wird nur 33 Jahre alt. Was hat sie alles angestoßen, erlebt und bewirkt in diesem doch ziemlich kurzen Leben!
Für mich ist die Lektion von Katharina: Misch dich ein, du kannst vielleicht mehr bewirken, als du selbst meinst, trau dich, nimm dir diese Freiheit.
Das sagt sie auch heute den Menschen in der Kirche und außerhalb, vor allem aber uns Frauen!