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Becker, Michael

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer, Kassel

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Ein Mann und seine Hoffnung

Gesprochen von Claudia Rudolff

Ein Mann hat eine Hoffnung. Und schreibt auch davon, von seiner Riesenhoffnung. Dabei hatte der Ungar Imre Kertész (1929 - 2016) allen Grund, auf nichts mehr zu hoffen. Er war im Konzentrationslage Auschwitz, ein Jahr lang. Da war er 15 Jahre alt. 

Imre Kertész überlebte Auschwitz, überstand eine Diktatur überstand und erhielt schließlich den Literaturnobelpreis – eine Geschichte der Hoffnung

Danach lebte er in der Diktatur in Ungarn, schrieb kleine Texte für Zeitungen. Hielt sich damit über Wasser. Seine Bücher schrieb er - für die Schublade. Unter den Kommunisten in Ungarn durfte nichts von ihm gedruckt werden; außer Texte über Jahreszeiten und das angeblich wunderbare Russland. Als die Diktatur zusammenbrach, wurde Kertész berühmt; erhielt auch den Literaturnobelpreis (2002). Und alle konnten von seiner Hoffnung lesen. Die heißt: Es gibt immer Menschen, die ihre Schulter unter die zusammenbrechende Welt stemmen. 

Hoffnung durch Menschlichkeit – Warum eine einzige mitfühlende Person die Welt stabilisieren kann 

Das nenne ich mal eine Riesenhoffnung. Hoffnung auf Menschen; auf den einen Menschen, der mich stützt, wenn meine kleine Welt zusammenzubrechen droht. Worauf sollten wir sonst hoffen, wenn nicht auf Menschen. Die Gottes Willen tun und einander beistehen. Ich weiß, dass es oft anders ist und Menschen einander jagen und töten in Kriegen und auf unseren Straßen. Das ist furchtbar. Der Mensch kann des Menschen Elend sein. 

Es kann aber auch anders sein. Voller Hoffnung, mit liebevoller Hilfe. Meine Hoffnung sind Menschen. Schon der eine Mensch, der mich sieht und fragt: Wie geht es Dir? Und wenn er oder sie dann geduldig zuhört, fällt vielleicht auf, dass da eine Not ist. Und der eine Mensch sagt dann zu mir: Ich weiß, wie ich dir helfen kann - und hilft. 

Selbst kleine Gesten der Hilfe können Wunder bewirken und letztlich Trost schenken

Wunderbar ist das. Gerade hatte ich noch die Furcht, dass manches zusammenbricht - dann ist jemand da und bietet mir die Schulter an. Und es bricht nichts zusammen. Im Gegenteil. Ich weiß noch, wie mal eine Schwester im Krankenhaus zu mir sagte: Machen Sie sich keine Sorgen, ich kriege das hin. Und sie kriegte es hin. Ich war selig. Die Frau schenkte mir Hoffnung, riesige Hoffnung. Und es war, als sei die Frau wie Gottes Schulter, die meine Welt stützt. Gott ist immer so nah wie ein Mensch, der für mich hofft.