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Dörken-Kucharz, Dr. Thomas

Eine Sendung von
Dr. Thomas Dörken-Kucharz,
Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

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Eine Gruppe von vier Personen sitzt um einen Tisch. Ein junger Mann hebt die Hand, während eine Frau lächelt. Ein anderer junger Mann liegt mit dem Kopf auf dem Tisch, und eine weitere Frau schaut aufmerksam. Es scheint, dass sie zusammen ein Spiel spielen.

Doppelkopf als Denkanstoß

Freunde haben sich zum Doppelkopf-Spielen angesagt. Wo nur könnten die Spielkarten sein? Ich suche und hatte am Schluss den ganzen Schrank mit Spielen aufgeräumt. Wurde auch mal Zeit. Da hat sich einiges angesammelt. Die Klassiker wie Mensch ärgere dich nicht, Halma, Malefiz und Schach. Quizspiele wie Spiel des Wissens, Karten- und Legespiele wie Uno, Kuhhandel und zum Glück auch die gesuchten Doppelkopfkarten.

Spielen, suchen, aufräumen: ein Blick ins Leben

Ganz hinten steckte das „Spiel des Lebens“. Eh ich mich versah, war ich bei der Frage, wie viel Spiel und wie viel Ernst ins Leben gehören. Landläufig hat sich eingebürgert: Kinder und Jugendliche dürfen, ja sollen spielen. Aber spätestens mit dem Eintritt in den Beruf beginnt der sogenannte Ernst des Lebens. Diesen Ernst gibt es tatsächlich, denn als Mensch möchte man in der Regel ein selbstbestimmtes und selbstverantwortetes Leben führen. Finanziell unabhängig sein. Das arbeiten und tun, was man selbst will.

Zwischen Spiel und Ernst des Lebens

Und zu diesem Ernst gehört: Man trifft Entscheidungen, die nicht so leicht rückgängig zu machen oder zu ändern sind. Wenn ich mein Leben mit jemandem teile, mich einer Partnerin oder einem Partner verspreche, lässt sich das nicht ohne Verletzungen abräumen wie ein Brettspiel. Die Karten werden nicht dauernd neu gemischt.

Entscheidungen, die bleiben

Doch der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt, wusste schon Friedrich Schiller. Und Jesus meinte: Man kann nicht ins Himmelreich kommen – ich sage jetzt mal: Ein Mensch kann nicht wahrhaft leben, wenn man nicht wird wie ein Kind Lukas 18,17. Wie ein Kind werden, heißt für mich: Das Spielen nicht verlernen. Denn nur spielerisch macht das Leben Freude. Und auf das eigene Leben gelegentlich draufschauen, als wäre es ein Spiel. Das schafft Distanz und ist wie ein Frühwarnsystem – ich merke früher, wann ich gegensteuern sollte.

Spielen als Lebenskunst mit Regeln

Spiel braucht Regeln. Kinder legen immer zuerst die Regeln fest, mindestens die Grundregeln, wenn sie spielen wollen. „Ich tät jetzt mal die Mutter sein, und du tätst jetzt mal der Vater sein.“ So klang es oft aus unserem Kinderzimmer. Und dann wurde sich mit heiligem Ernst in die jeweilige Rolle begeben und losgespielt. Dabei entstehen Spielregeln und die müssen im Kinderspiel und im echten Leben immer wieder überprüft und angepasst werden.

Übers Ohr hauen und schummeln

Eine Zeitlang gehörte ich einem Spielkreis von Erwachsenen an. Da haben wir auch ein Brettspiel gespielt, das für Kinder und Jugendliche nicht erlaubt war. Dieses Spiel hatte fast keine Regeln. Man sollte nur möglichst viel Geld verdienen. Alle Pakte und Aktionen dienten nur dem Ziel des eigenen Bankkontos. Man haute die anderen dauernd übers Ohr, hinterging sie und wurde selbst hintergangen.

Was Spielen mit Vertrauen zu tun hat

Das war teilweise schwer auszuhalten. Denn wenn keine Regeln und Sanktionen gelten, dann schnappt so ein Spiel ins richtige Leben über. Die Freundschaften und das Vertrauen litten. Man erlebte den Freund und die guten Bekannten als fies und benahm sich auch selbst wie ein Schuft, sodass es schwer war, hinterher zu sagen: War doch nur ein Spiel. Da habe ich begriffen, wie wichtig Regeln sind, im Spiel und erst recht im Leben. Und Vertrauen ist noch viel wichtiger. Nicht nur im Spiel.