hr2 ZUSPRUCH
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Maschke, Andrea

Eine Sendung von
Andrea Maschke,
Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

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Ein großes, festliches Gebäck in Form eines Herzens, verziert mit Zuckerguss und Schokoladenstückchen. Das Gebäck hat eine rustikale, braune Oberfläche und ist auf einem einfachen Hintergrund platziert, umgeben von Blumen.

Die Ostertaube

Auf meinem Küchenschrank liegt noch eine schön verpackte Colomba. Das ist eine Art italienischer Osterkuchen in Form einer Taube: aus fluffigem Teig, ein bisschen zitronig, mit Mandeln und Hagelzucker bestreut. Sehr lecker. 

Freundinnen aus Italien waren zu Besuch und haben sie mir als Geschenk mitgebracht. Vielleicht weil sie geahnt haben, wie sehr ich dieses Gebäck mag, vielleicht aber auch, weil sie wissen, dass ich bei Pax Christi, in der christlichen Friedensbewegung engagiert bin und die Taube ja ein Symbol des Friedens ist. 

Das Gebäck zeigte als Friedensgeste Wirkung

Oft wird behauptet, die Colomba wäre vor etwa hundert Jahren als kommerzielle Frühlingsantwort auf den beliebten Weihnachtskuchen Panettone erfunden worden wäre. Möglich ist das. Es gibt aber auch eine schöne Legende, die diesen italienischen Osterbrauch nochmal anders erklärt:

Im 6. Jahrhundert wurde die Stad Pavia, südlich von Mailand gelegen, nach langem Widerstand von den Langobarden unter König Alboin erobert. Er wollte die Stadt zerstören. Da trat dem König ein Bäcker entgegen, der ihm ein Gebäck in Form einer Friedenstaube anbot. Diese Friedensgeste hat den König gerührt und ihm wohl auch gut geschmeckt. Die Stadt wurde von der Zerstörung verschont und die Lebensumstände waren anschließend zwar nicht gut, aber erträglich.

Schön, wenn es mit dem Frieden so einfach wäre

Das klingt märchenhaft. Und wenn es mit dem Frieden so einfach wäre, dann würden sich alle Bäcker und Bäckerinnen der Ukraine, von Palästina und Israel, im Sudan und im Jemen, in Kamerun und Kuba und wo noch alles ins Zeug legen und backen, backen, backen. Leider ist die Wirklichkeit komplizierter. VDie ielleicht ist die gebackene Taube aber trotzdem eine Fährte. 

Taube lassen sich von Grenzen und Mauern nicht aufhalten

Die Taube steht für Hoffnung, schließlich bringt sie nach der Sintflut den Ölzweig als Zeichen der Rettung zurück. So erzählt es die Bibel (vgl. Gen 8,11).

Christlich ist die Taube das Zeichen der Heiligen Geistkraft. Die kommt von oben, weht wo sie will, schafft Neues, gibt Anstöße. Und ganz praktisch sind Tauben recht freie Tiere. Fliegend lassen sie sich von Grenzen und Mauern nicht aufhalten. Nicht umsonst waren Brieftauben lange so beliebt.

Die Taube stärkt die Hoffnung auf unerwartete kreative Wege zum Frieden

Der mutige Bäcker aus Pavia jedenfalls hatte einen Einfall, den der König nicht erwartet hatte. Weder bewaffneter Widerstand noch flehendes Bitten. Vielleicht hat dem König nicht nur das Gebäck geschmeckt, sondern auch die Geste imponiert. Und er konnte den Bäcker und damit die Einwohner der Stadt erstmals als Menschen und nicht nur als Feinde sehen. Vielleicht ist das zu utopisch. Aber man könnte die italienische Ostertaube als Hoffnungszeichen sehen: Statt Tod und Zerstörung lassen sich manchmal unerwartete kreative Wege zum Frieden finden.