hr2 ZUSPRUCH
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Walther, Lukas

Eine Sendung von

Pastoralassistent in der katholischen Pfarrei St. Elisabeth Mainz und Budenheim, Mitarbeiter Kirche im HR

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Ein transparenter Regenschirm mit Wassertropfen, die auf der Oberfläche haften. Am unteren Ende des Schirms hängen einige Tropfen, während im Hintergrund verschwommene Lichter sichtbar sind.

Der Regenschirm voll Segen

Heute startet der April – und da ist das Wetter ja oft ziemlich wechselhaft. Eben noch scheint die Sonne und schon geht ein Regenschauer runter/schüttet es. Da muss ich besonders dran denken, immer den Regenschirm einzupacken. Der April, der tut eben, was er will. 

Und so ein Regenschirm ist echt klasse! Ich habe einen, den find ich richtig schön: Der ist durchsichtig und so groß, dass auch zwei Personen drunter passen. Ein Mitbringsel aus Japan für nur 100Yen (umgerechnet ca.60 Cent) und er hält jetzt seit gut zwei Jahren. 

Er ist auch ein kleiner Alltagsbegleiter

Mein Regenschirm erinnert mich nicht nur an den wunderbaren Japan-Urlaub, an dessen Ende ich meiner Frau einen Antrag gemacht habe. 

Mein Regenschirm ist auch ein kleiner Alltagsbegleiter, der mich daran erinnert: Es ist gut, vorbereitet zu sein. Er ist ein Segen, wenn ich unverhofft in einen Regenschauer gerate. Mit ihm bleibe ich vor dem Gröbsten – vorausgesetzt, ich halte ihn richtig, vor allem, wenn der Wind von der Seite kommt. Dann merke ich: Schutz funktioniert nicht automatisch, ich muss auch meinen Teil dazu beitragen. 

Das war ihr Segensgruß

Für manchen klingt das vielleicht bisschen seltsam, aber: So ein Regenschirm ist für mich so was Ähnliches wie ein Segen. Auch der begleitet und schützt mich. Er ist kein Zauberspruch, der mich unangreifbar macht, sondern etwas, das mich begleitet, stärkt und schützt, wenn’s draußen oder im Leben stürmt. Das können auch Menschen in meinem Leben sein, die mich begleiten. Ich denke da zum Beispiel an meine Mutter: Wenn ich als Kind das Haus verlassen hab, hat sie mir oft einen kleinen Kuss auf die Stirn gegeben oder mir schnell ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Das war ihr Segensgruß. Kein großes Ritual, keine langen Worte. Aber ich bin mit einem guten Gefühl aus der Tür gegangen. Weil ich: Da ist jemand, der mir Gutes wünscht, der mich Gott anvertraut. 

Dafür muss ich kein Heiliger sein

Segen heißt im Lateinischen auch: benediction und das bedeutet: jemandem etwas Gutes sagen. Ich finde, das beschreibt wunderschön, was Segen ist. Segen ist nichts Abgehobenes, kein exklusives Vorrecht für besondere Momente, sondern etwas zutiefst Menschliches. Segen geschieht immer dann, wenn ich einem anderen Menschen etwas Gutes zuspreche – wenn ich ihm wünsche: Dein Weg soll behütet sein. Du sollst Kraft und Frieden finden. Das bedeutet auch: Ich kann selbst ein Segen für andere sein. Wenn jemand zum Beispiel auf der Autobahn auf dem Standstreifen stehen bleibt, kann ich kurz anhalten und fragen, ob alles in Ordnung ist,. Ich kann der Person, die hinter mir geht, noch fix die Tür aufhalten. Dafür muss ich kein Heiliger sein! 

"Ich bin nicht allein unterwegs"

Der Segen Gottes ist für mich wie ein Regenschirm. Mit ihm kann ich hinausgehen, auch wenn dunkle Wolken am Himmel stehen. Ich fühle mich sicher, weil ich weiß: Ich bin nicht allein unterwegs. Das heißt nicht, dass ich nie nass werde – kleine Tropfen treffen mich trotzdem. Aber ich bleibe vor dem Gröbsten geschützt. Wenn ich meinen Teil dazu beitrage, also den Schirm aufspanne, ihn festhalte, ihn richtig halte, dann komme ich meist trocken an mein Ziel.