hr2 ZUSPRUCH
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Krebs, Stephan

Eine Sendung von
Stephan Krebs,
Evangelischer Pfarrer, Langen

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Ein Fußball mit bunter Musterung fliegt ins Netz eines Tores. Der Hintergrund zeigt einen klaren Himmel mit einigen Wolken. Die Szene vermittelt den Moment eines Torerfolgs im Fußballspiel.

Der alte Ball hat viel zu erzählen

Ein Bolzplatz am Rande der Stadt. Kinder spielen Fußball. Sie haben zwei Bälle. Einer wirkt noch recht neu – er ist gerade im Einsatz. Der zweite liegt unbeachtet in der Ecke eines Tores. Er ist grau und rundum abgewetzt. Offensichtlich haben ihn die Kinder ausrangiert. Seine nächste Station ist wohl die Mülltonne.

Spuren von Spiel und Leben

Ich schaue ihn noch einmal bewusst an: die Kratzer, die Flecken, die geplatzten Nahtstellen. Jede Macke hat etwas zu erzählen. Wer ein Ohr dafür hat und ein bisschen Fantasie, kann die Kinder hören – ihr Jubeln, ihr Meckern, ihr Schnaufen. Tausende Male haben Kinderfüße diesen Ball getreten, haben Flanken und Pässe geschlagen, Torschüsse gewagt. So ist der Ball auf einzigartige Weise schäbig geworden.

Was Kinder vom Ball lernen

Ich stelle mir vor: Über die Jahre hat er den Kindern eine Menge beigebracht – hat sogar ihren Charakter geformt. Sie haben gelernt, klug Teams zu bilden. Nicht ein starkes und ein schwaches – das ergibt kein gutes Spiel. Sondern gleichstarke Teams, damit alle Spaß haben. Um ihn herum sind Freundschaften fürs Leben gewachsen.

Wie umgehen mit Enttäuschung? 

Der Ball hat die Kinder auch zum Verzweifeln gebracht. Denn oft ist er nicht so geflogen, wie sie es wollten. Aber manchmal hat er Träume erfüllt. Nach einem kühnen Schuss landete er unhaltbar im Winkel – und die Torschützen können ihr Glück kaum fassen. Und haben das Gefühl: Da war vielleicht eine höhere Macht mit im Spiel. Denn man kann zwar viel üben. Aber wie der Ball wirklich fliegt, das hat nicht einmal der beste Profi auf dem eigenen Fuß. Deshalb wendet sich so mancher nach einem Traumtor an Gott und dankt für die geniale Flugbahn. 

Glauben, Fairness, Verzeihen

Ob Gott wirklich Fußball spielt, weiß ich nicht. Aber ein Ball kann offensichtlich das Beten lehren. Und noch ein paar Dinge mehr, die Gott am Herzen liegen. Dazu gehört sicher der respektvolle Umgang miteinander. Beim Siegen und das Verlieren. Beides muss man lernen. Siegen, ohne sich zu überschätzen und ohne die Verlierer zu entwürdigen. Und beim Verlieren haben die Kinder gemerkt: Davon geht die Welt nicht unter. Das Leben geht weiter. Es hält neue Spiele und neue Chancen bereit.

Kleine Übungen fürs Leben 

Noch etwas hat der alte Ball gelehrt: die Fairness und das Foul. Die Kinder unterscheiden – was ist erlaubt, was nicht. Und dass man sich daran leider nicht immer hält. Weil man im Eifer des Spiels auch mal Fehler macht. Also haben sie gelernt, Fouls angemessen zu bestrafen, den eigenen Zorn zu zügeln und Fehler zu verzeihen. Lauter kleine Übungen für das große Leben.

Geschichten bleiben

Von alledem kann der alte Ball erzählen. Darüber ist er äußerlich unscheinbar geworden – aber insgeheim steckt er voller Geschichten. Voller Schätze des Lebens. Auf dem Bolzplatz liegen sie nun einfach in der Ecke. Und leben in den Herzen der Kinder fort.